Ein Schild weist auf eine Corona-Teststation auf einer Autobahnraststätte in Bayern hin. | Bildquelle: dpa

Corona-Panne in Bayern Von 46 Infizierten fehlen die Daten

Stand: 16.08.2020 17:19 Uhr

Nach der Test-Panne in Bayern wissen immer noch nicht alle Betroffenen über ihr positives Testergebnis Bescheid. Es ist unklar, ob 46 Infizierte überhaupt noch ermittelt werden können.

Auch Tage nach Bekanntwerden der Corona-Panne in Bayern sind immer noch nicht alle positiv Getesteten gefunden. Von 46, die sich im gesamten Bundesgebiet aufhalten können, fehlt weiterhin noch jede Spur. Bei 903 der insgesamt 949 nachgewiesenen Infektionen wurden die Betroffenen bislang ermittelt und - mit teils wochenlanger Verzögerung - informiert. Insgesamt waren 44.000 Testergebnisse nicht den Getesteten mitgeteilt worden.

46 Infizierte seien noch nicht ermittelt worden, teilte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml mit. Zu ihnen lägen keine genauen Personendaten vor. Weil die Erhebungsbögen für die Tests zum Teil nur handschriftlich und teilweise unvollständig ausgefüllt wurden, gestalte es sich schwierig, die Infizierten zu finden. Ob und wie sie noch ermittelt werden können, ist nicht klar.

Deadlines wurden mehrfach verschoben

Ursprünglich hatte die Staatsregierung erklärt, bis Donnerstagmittag soll jeder der positiv Getesteten sein Ergebnis kennen. Diese Deadline verstrich, mehrere weitere am Freitag und Samstag ebenfalls.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Ergebnisse von 44.000 Tests noch nicht bei den Betroffenen gelandet waren. Wie das Ministerium erklärte, sollen nun auch die negativ Getesteten informiert werden. Die Tests waren bis zum 11. August vorgenommen worden - die meisten an den mobilen Testzentren an Autobahnraststätten von Urlaubsrückkehrern.

Corona Teststation in Bayern | Bildquelle: AP
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Die Pannen-Tests waren bis zum 11. August vorgenommen worden - die meisten an Autobahnraststätten von Urlaubsrückkehrern.

FDP übt harsche Kritik

Die Panne sorgte bundesweit für Empörung, weil die Infizierten Tausende weitere Menschen anstecken könnten, ohne es zu wissen. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder äußerte sein Bedauern. Den von der Ministerin angebotenen Rücktritt lehnte er aber ab. Die Regierung hatte die Probleme auf fehlende Software und eine unerwartet große Zahl von Freiwilligen zurückgeführt, die sich den Tests unterzogen hatten.

Die FDP-Fraktion im bayerischen Landtag übte harsche Kritik an der Regierung von Ministerpräsident Söder. Die Staatsregierung habe sich heillos in ihrem Test-Chaos verheddert, sagte FDP-Fraktionschef Martin Hagen.

"46 Infizierte stecken in Unkenntnis ihres positiven Testergebnisses möglicherweise weitere Menschen an", betonte Hagen. "Söders planloses Vorpreschen mag seinem Image als entschlossener Macher nützen, in der Sache hat es sich als schädlich erwiesen", sagte er. Die FDP hat gemeinsam mit Grünen und SPD für Mittwoch eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses im bayerischen Landtag beantragt.

Habeck kritisiert Bundesregierung

Grünen-Chef Robert Habeck warf auch der Bundesregierung Fehler bei der Corona-Teststrategie vor. Sie habe versäumt, in den Sommerferien "das Urlaubsende mitzudenken", sagte Habeck im ARD-Sommerinterview. Tests für Reiserückkehrer seien dann "holterdiepolter" organisiert worden. "Das war ein wirklicher Fehler."

Robert Habeck | Bildquelle: dpa
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Grünen-Chef Habeck kritisierte die Bundesregierung für ihre Corona-Teststrategie.

Wie in Bayern kommt es auch in Rheinland-Pfalz zu Verzögerungen bei der Übermittlung von Ergebnissen der Corona-Tests - etwa in Trier. Es sei schwer zu schaffen, alle negativen Befunde zeitnah herauszugeben, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes für Trier und Trier-Saarburg, Harald Michels. Das liege auch daran, dass alles mit Papier gemacht werde. Alle positiven Fälle seien aber sofort informiert worden. "Das ist hier nicht so wie in Bayern. Wir schaffen es nur nicht, die negativen Befunde zeitnah rauszugeben", sagte Michels.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. August 2020 um 17:00 Uhr.

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