Eigenheim Wohngebiet | Bildquelle: dpa

Ein Jahr Baukindergeld Ein Drittel des Geldes ist schon weg

Stand: 13.09.2019 11:34 Uhr

In Deutschland werden so viele Häuser und Wohnungen gekauft wie noch nie - auch wegen des Baukindergeldes. Die Bundesregierung zieht nach einem Jahr eine positive Bilanz. Fast ein Drittel der Fördermittel ist schon aufgebraucht.

Seit der Einführung des Baukindergeldes vor fast einem Jahr haben Familien Zuschüsse von rund 2,8 Milliarden Euro zugesagt bekommen. Rund 135.000 Familien hätten Förderanträge gestellt, teilten das Innenministerium und die zuständige KfW-Bankengruppe mit.

Bis auf wenige Ausnahmen seien diese auch bewilligt worden, sagte eine KfW-Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Rund die Hälfte der Familien habe bereits das erste Geld bekommen.

Zuschuss von 1200 Euro je Kind und Jahr

Seit dem 18. September 2018 ist es möglich, für den Bau eines Hauses oder den Kauf einer Immobilie einen staatlichen Zuschuss von 1200 Euro je Kind und Jahr zu erhalten. Ausgezahlt wird das Geld über zehn Jahre. Familien mit einem Kind können also 12.000 Euro bekommen, Familien mit zwei Kindern 24.000 Euro. Bis Ende 2020 stehen 9,9 Milliarden Euro zur Verfügung.

Sollte das Geld früher aufgebraucht sein, will die Bundesregierung nach bisherigen Plänen nicht nachschießen. "Wir haben damit schon Tausenden Familien den Erwerb der eigenen vier Wände erleichtert", sagte Bau- und Innenminister Horst Seehofer. Das Baukindergeld entlaste zugleich den Mietwohnungsmarkt und schaffe für Familien langfristig eine solide Altersvorsorge.

Junge Familien mit kleinen Kindern profitieren

Nach Angaben von KfW-Vorstand Ingrid Hengster profitieren besonders junge Familien mit kleinen Kindern. 65 Prozent der Antragsteller haben Kinder im Vorschulalter. Mehr als jede dritte Familie hat Kinder unter drei Jahren.

Die meisten Eltern sind zwischen 25 und 40 Jahre alt. 60 Prozent hatten ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von maximal 40.000 Euro. Familien und Alleinerziehende mit einem Kind dürfen nicht mehr als 90.000 Euro zu versteuerndes Haushaltseinkommen haben, um Baukindergeld zu erhalten. Bei größeren Familien liegt die Grenze höher.

Gebaut und gekauft wurde mehr in der Stadt als auf dem Land. 16 Prozent der Förderung flossen in Großstädte, 44 Prozent in weitere städtische Gebiete. 40 Prozent gingen in den ländlicheren Raum, etwa die Hälfte davon in dünn besiedelte Kreise. Nur etwa ein Viertel des Geldes wurde für Neubauten genutzt, drei Viertel für den Kauf von Bestandsimmobilien.

Kritik an fehlender Wirkung

Die FDP würde die Förderung am liebsten komplett abschaffen. Das Baukindergeld verfehle seine Wirkung, da die angespannten Märkte der Großstädte nicht profitierten, kritisiert die Partei.

Aus Sicht der Immobilienbranche macht es Häuser, Wohnungen und Grundstücke sogar noch teurer. In vielen Fällen schlage der Verkäufer die Prämie auf den Verkaufspreis auf. Zudem wird bemängelt, dass der Großteil der Anträge für Bestandsimmobilien gestellt wird und nicht für Neubau, der den Wohnungsmarkt entlasten würde.

Ein Jahr Baukindergeld
Sabine Müller, ARD Berlin
13.09.2019 11:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 13. September 2019 um 11:45 Uhr.

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