Neubau in in Fährdorf auf der Ostseeinsel Poel  | Bildquelle: dpa

Baugenehmigungen Deutschland baut - zu wenig

Stand: 14.12.2017 17:02 Uhr

Die Zahl der Baugenehmigungen geht zurück. In den ersten Monaten des Jahres sank der Wert um 7,3 Prozent - für die Wohnungswirtschaft ist das ein "Alarmsignal". Bauministerin Hendricks sieht dagegen einen "positive Trend", denn das Richtige werde gebaut.

Die Klagen über die Immobilienkrise in Großstädten sind laut - der Mieterbund spricht von einer Million fehlender Wohnungen in Deutschland. Doch die Zahl der Baugenehmigungen geht zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

In den ersten zehn Monaten des Jahres seien 286.300 Wohnungen und Häusern genehmigt worden. Das sind 7,3 Prozent weniger als im selben Vorjahreszeitraum.

Bei Einfamilienhäusern registrierten die Statistiker einen Rückgang um 5,1 Prozent. Das entspricht 4100 Häusern. Die Zahl der Genehmigungen für Wohnungen in Zweifamilienhäusern sank um 1,5 Prozent oder 300. Das Bundesministerium für Umwelt und Bau erklärte dies mit der zunehmenden "Binnenwanderung" vom Land in die Städte.

Wohnungen: Höchster Wert seit 20 Jahren

Mit Blick auf Wohnungen in Mehrfamilienhäusern fällt der Trend anders aus. In diesem Bereich stiegen die Genehmigungen um 1,1 Prozent auf rund 140.700 Wohnungen. Dies war der höchste Wert im Zeitraum von Januar bis Oktober seit 20 Jahren. "Der positive Trend bei den Baugenehmigungen im Geschosswohnungsbau setzt sich damit fort", erklärte Bundesbauministerin Barbara Hendricks. Dies sei eine gute Nachricht, weil der Neubau den angespannten Wohnungsmarkt entlaste.

"Entscheidend ist aber, dass diese Wohnungen jetzt auch gebaut werden", sagte Hendricks. Viele baureife Projekte liegen auf Halde: Allein Ende 2016 gab es laut Statistikamt über 600.000 genehmigte, aber nicht fertiggestellte Wohnungen.

Dass viele Baugenehmigungen noch nicht umgesetzt sind, liegt einer Studie der Förderbank KfW zufolge an Kapazitätsengpässen in der Bauwirtschaft. "Insbesondere in den großen Ballungszentren zeigt sich das Phänomen, dass Investoren Baugenehmigungen auf Vorrat einholen und die dahinterliegenden Projekte zunächst nicht umsetzen, weil sie auf steigende Mieten und Immobilienpreise in der Zukunft setzen", so die KfW.

Häuserfassaden in München
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Gerade in Metropolen wie München gibt es nicht genug Wohnungen.

Steueranreize gefordert

Über die Zahl der in diesem Jahr tatsächlich fertiggestellten Wohnungen können die Statistiker erst im späten Frühjahr 2018 Auskunft geben. Im vorigen Jahr waren knapp 288.000 neue Wohnungen entstanden.

Der Deutsche Mieterbund (DMB) geht für das laufende Jahr von etwa 300.000 aus. Doch das reiche nicht, um den Bedarf zu decken. "400.000 neue Wohnungen müssen pro Jahr gebaut werden, davon 200.000 Mietwohnungen, davon wiederum 80.000 Sozialmietwohnungen", forderte DMB-Präsident Franz-Georg Rips. "Einen weiteren Stillstand in der Wohnungspolitik können wir uns nicht länger leisten. Seit gut einem Jahr bewegt sich in der Wohnungs- und Mietenpolitik nichts mehr."

Die aktuellen Zahlen nannte der GdW-Bundesverband der Wohnungswirtschaft ein Alarmsignal.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 14. Dezember 2017 um 13:45 Uhr.

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