Weizenernte in Niedersachsen | Bildquelle: dpa

Hilfe für Ernteausfälle Bauernverband will eine Milliarde Euro

Stand: 30.07.2018 09:48 Uhr

Der warme und trockene Sommer bringt Landwirte in einigen Regionen in Not. Deshalb fordert der Bauernverband finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern. Die benötigte Summe: eine Milliarde Euro.

Vor den Bund-Länder-Beratungen über die Folgen der Dürre für die Landwirtschaft hat der Deutsche Bauernverband eine Summe für die benötigte Hilfe genannt. "Eine Milliarde Euro wäre wünschenswert, um die Ausfälle auszugleichen", sagte der Präsident Joachim Rukwied den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir fordern jetzt Liquiditätshilfen, damit wir Betriebe, deren Ertrag mehr als 30 Prozent unter dem Schnitt der letzten Jahre liegt, direkt unterstützen können."

In einem ersten Schritt müsse der Notstand erklärt und so die gesetzliche Grundlage geschaffen werden, forderte Rukwied. In einem zweiten Schritt müssten Bund und Länder ein Budget zur Verfügung stellen.

Außerdem regte der Verbandspräsident eine steuerfreie "Risikoausgleichsrücklage" an, mit der die Bauern für schwierige Jahre vorsorgen könnten. Es sei "zwingend erforderlich, dass Deutschland stabile ländliche Räume mit stabilen Betrieben" habe, sagte Rukwied. Einbußen von 50 bis 70 Prozent seien für viele Betriebe existenzbedrohend.

Auf einem Feld in Mecklenburg-Vorpommern wird Raps geerntet. | Bildquelle: dpa
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Rapsernte in Neubukow. Die Dürre sorgt nach zwei schlechten Erntejahren für ein weiteres Jahr mit Einbußen.

Klöckner will Bundeshilfen prüfen lassen

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) lässt derzeit Hilfen des Bundes für die von der Dürre betroffenen Bauern prüfen. Morgen gibt es in ihrem Ministerium ein Treffen mit den Ländern auf Arbeitsebene, am Mittwoch will Klöckner dann dem Bundeskabinett Bericht über die aktuelle Lage erstatten.

Klöckner kündigte an, dass sich gegebenenfalls der Bund an der Seite der Länder an den Hilfen für die Landwirte beteiligen werde. Für Hilfen bei extremen Wetterereignissen - zu denen auch Dürren zählen - sind nach der Kompetenzverteilung die Länder zuständig.

Bei Ereignissen von nationalem Ausmaß kann auch der Bund ausnahmsweise Hilfen leisten. Eine Entscheidung über Hilfen des Bundes soll allerdings erst nach Vorlage des Ernteberichts Ende August getroffen werden.

Nach Darstellung der Ministerin ist das Bild derzeit sehr unterschiedlich. Während die Winzer mit einem sehr guten Jahrgang rechnen dürften, treibe manche Landwirte die Sorge um ihre Existenz um, erklärte sie. Klöckner verwies auf geringere Getreideerträge und starke Trockenschäden bei Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben. Viele Viehhalter hätten Not, ihre Tiere zu versorgen, weil das Gras als Futter fehle.

Milchbauern fordern höhere Literpreise

Sollten die Ernteeinbußen so hoch wie befürchtet ausfallen, könnten auch einige Lebensmittel wegen knapperer Rohstoffe teurer werden. So fordern die Milchbauern angesichts der Dürre und der geringeren Menge an Futtermitteln bereits deutlich höhere Milchpreise. "Nötig wären 41 Cent pro Liter", sagte der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Hans Foldenauer, dem "Tagesspiegel". Bundesweit würden im Schnitt derzeit aber nur 31 bis 32 Cent gezahlt. Im Mai hatten Experten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für den Herbst Auszahlpreise von 36 bis 38 Cent je Liter erwartet.

Die anhaltende Hitze in Deutschland macht vielen Milchbauern zu schaffen, weil sie wegen der schlechten Ernten Futter zukaufen müssen. "Auf dem Feld steht nichts mehr", sagte Foldenauer der Zeitung. Dadurch hätten die Bauern steigende Kosten, aber es fehlten die nötigen Mittel. Viele Milchkühe, die für die Milchproduktion nicht mehr gebraucht würden, würden deshalb jetzt früher geschlachtet als vorgesehen, sagte der Verbandssprecher. Staatliche Hilfen lehnte er allerdings als "Heftpflasterpolitik" ab. "Die paar Euro vom Staat können unsere höheren Kosten nicht abdecken", sagte Foldenauer.

Deutscher Bauernverband fordert Finanzhilfen für Landwirte
tagesschau 09:00 Uhr, 30.07.2018, André Kartschall, RBB

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Lies: Intensiv in Klimaschutz investieren

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hält das morgige Spitzentreffen für ein wichtiges Signal für die deutschen Bauern. Lies sagte NDR Info, der Zusammenhalt sei wichtig. "Wir können noch gar nicht absehen, was überhaupt an Ausfällen zu verzeichnen ist. Wenn man sich das ansieht, wird das Futter knapp. Wir müssen überhaupt sehen, ob der nächste Schnitt die Nahrungsversorgung in den nächsten Monaten, gerade auch im Winter, sicherstellt."

Lies sieht in der Dürre einen weiteren Beweis dafür, dass der Kampf gegen den Klimawandel zu den wichtigsten Fragen der Zukunft gehöre. "Wir reden viel über den Klimawandel - und stellen immer wieder fest: Das ist ja eigentlich ein schleichender Prozess", sagte er. Deswegen sei das Thema in den Köpfen der Menschen relativ schnell verschwunden.

"Die Wetterextreme gerade der letzten Jahre haben uns aufgezeigt, was passieren kann, wenn wir Klimaschutz nicht ernst nehmen." Es müsse jetzt intensiv in den Klimaschutz investiert werden, forderte Lies. "Wir wollen nicht uns alle im Lebensstil verändern, sondern wir müssen dafür sorgen, dass die CO-2-Emissonen deutlich gesenkt werden."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Juli 2018 um 04:56 Uhr.

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