Explosion auf dem Werksgelände von BASF | Bildquelle: dpa

Externer Mitarbeiter angeklagt BASF-Explosionsunglück vor Gericht

Stand: 05.02.2019 02:38 Uhr

Bei einer Explosion auf dem Gelände des Chemiekonzerns BASF starben 2016 fünf Menschen. Nun steht ein externer Mitarbeiter vor Gericht: Der Prozess soll klären, ob er Schuld an dem Unglück trägt.

Von Ute Spangenberger, SWR

Die Erschütterung war kilometerweit spürbar, der Knall weithin zu hören, dunkler Qualm stieg meterhoch auf. Eine riesige Rauchsäule stand über dem BASF-Werksgelände. Am 17. Oktober 2016 war es in Ludwigshafen zu einer folgenschweren Explosion mit tragischen Folgen gekommen.

Ein externer Mitarbeiter des Chemiekonzerns soll damals bei Wartungsarbeiten eine falsche Gasleitung angeschnitten haben. Bei dem Unglück starben fünf Menschen: vier zur Brandstelle geeilte Feuerwehrleute und ein Matrose eines Tankmotorschiffs, der sich zur Brandbekämpfung an Land begeben hatte. 44 Menschen waren zum Teil schwer verletzt worden. Die Explosion hatte sich im Landeshafen Nord der BASF ereignet.

Ab heute läuft vor dem Landgericht Frankenthal der Prozess zur Aufarbeitung des Unglücks.

Der Angeklagte ist seit dem Vorfall psychisch beeinträchtigt

Vor Gericht steht ein 63-jähriger Mitarbeiter eines Subunternehmens der BASF. Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann zur Last, die Explosion fahrlässig herbeigeführt zu haben. Der Angeklagte habe als Schweißer auf dem Werksgelände der BASF Arbeiten an einer Rohrleitung ausgeführt. Dabei soll er mit einem Trennschleifer eine gasführende Rohrleitung angeschnitten haben.

Eigentlich hätte er Arbeiten nicht an dieser Leitung, sondern an einer unmittelbar danebenliegenden Leitung durchführen sollen, sagt die Staatsanwaltschaft. Die Leitung sei mit einem leicht entzündlichen Gasabfallgemisch aus Buten gefüllt gewesen. Durch den Funkenflug habe sich das Gas der Leitung in Brand gesetzt und in der Folge zu Explosionen geführt.

Stundenlang hatte anschließend das Feuer gelodert. Die Unglücksstelle wirkte wie eine Szene aus einem Katastrophenfilm: Löschschaum, verkohlte Leitungen, ausgebrannte Fahrzeuge, geschmolzenes Metall. 160 Feuerwehrleute waren den ganzen Tag über im Einsatz.   

Das Landgericht teilte mit, dass der Angeklagte selbst erheblich verletzt und - aufgrund psychischer Beeinträchtigungen durch den Vorfall - nicht mehr arbeitsfähig sei. Im Ermittlungsverfahren habe der Angeklagte deutlich gemacht, dass er den Unfall außerordentlich bedaure und sich an den genauen Hergang nicht erinnern könne.

Explosion bei BASF in Ludwigshafen | Bildquelle: REUTERS
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Löschboote waren nach der Explosion im Landeshafen Nord auf dem BASF-Gelände den ganzen Tag im Einsatz.

Zwei bis drei Millionen Euro Sachschaden

Die Staatsanwaltschaft hat die Vernehmung von 42 Zeugen beantragt und zehn Sachverständige benannt. Unter anderem soll es um organisatorische und technische Abläufe bei den Reparaturarbeiten gehen, sowie um den technischen Zustand der Anlage sowie das Sicherheitsmanagment. Bisher sind 13 Verhandlungstage terminiert.

Die Staatsanwaltschaft schätzt den unmittelbaren Sachschaden auf zwei bis drei Millionen Euro, die Folgeschäden auf mindestens 500 Millionen Euro. Die BASF hat mittlerweile nach eigenen Angaben Konsequenzen aus dem Explosionsunglück gezogen.

So soll eine bessere Kennzeichnung der Rohrleitungen helfen, das Risiko von Verwechslungen bei Arbeiten zu senken. Bei Schneidearbeiten sollen Arbeiter nur noch funkenarme Werkzeuge verwenden.

BASF hat mit dem Fall "abgeschlossen"

Darüber hinaus scheint das Unglück für die BASF "abgeschlossen". Der Vorstandsvorsitzende Martin Brudermüller sagte im vergangenen November auf einer Pressekonferenz, dass man als BASF nicht mehr involviert sei. Die Verhandlung vor Gericht, so Brudermüller, richte sich im Wesentlichen gegen die Person, die für das Unglück verantwortlich sei.

Direkt nach dem Unglück war Kritik am Krisenmanagment der BASF laut geworden. Unter anderem hatte sich der damalige Vorstandsvorsitzende Kurt Bock tagelang nicht in der Öffentlichkeit zu dem Unglück geäußert.

2017 wurde zum Jahrestag auf dem BASF-Gelände ein Gedenkort aus Stelen mit den eingravierten Namen der gestorbenen Feuerwehrleute eingerichtet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Februar 2019 um 07:00 Uhr.

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