Justizministerin Katarina Barley, SPD | Bildquelle: dpa

Nach Datenskandal Barley empfängt Vertreter von Facebook

Stand: 26.03.2018 09:45 Uhr

Ministerin Barley will die Aufklärung des Facebook-Datenskandals vorantreiben. Dazu empfängt sie Vertreter des Unternehmens. Laut Barley geht es um eine "Bedrohung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit".

Im Datenskandal um Facebook will Justizministerin Katarina Barley Druck auf das weltgrößte Online-Netzwerk machen. Sie empfängt am Nachmittag ranghohe Facebook-Vertreter aus Europa. Barley will nach eigenen Worten eine "umfassende Aufklärung" darüber, ob deutsche Nutzer betroffen seien und was Facebook tun wolle, um so etwas in Zukunft zu verhindern.

Barley sagt, sie halte es für realistisch, Facebook zur Offenlegung seiner Rechenvorgänge zu bringen. Nach solchen Algorithmen wird zum Beispiel entschieden, welche Werbung Nutzer zu sehen bekommen. "Grenzen gegenüber der Marktmacht von solchen Unternehmen dürfen wir nicht akzeptieren", sagte die Ministerin am Sonntag in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Der Staat und die EU setzten die Regeln fest, an die sich Unternehmen halten müssten. "Hier geht es wirklich um eine Bedrohung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit", so Barley.

Zu dem Treffen soll unter anderem Facebooks europäischer Politik-Chef Richard Allan kommen.

Mark Zuckerberg | Bildquelle: dpa
galerie

Facebook-Chef Marc Zuckerberg. Die Firma betont, die Weitergabe der Daten an Cambridge Analytica sei ein Vertrauensbruch seitens des App-Entwicklers gewesen.

App mit einer Psychologie-Umfrage

In dem Skandal geht es um die unerlaubte Nutzung der Informationen von Millionen Facebook-Nutzern durch die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica. Sie hatte die Daten von einem britischen Professor bekommen, der eine App mit einer Psychologie-Umfrage auf die Facebook-Plattform brachte.

Nach der damaligen Funktionsweise von Facebook hatte die App des Professors auch Zugang zu einigen Informationen über die "Freunde" der rund 300.000 Umfrageteilnehmer bekommen, etwa deren Likes und Interessen. So sammelten sich laut Medienberichten Daten von rund 50 Millionen Facebook-Nutzern an.

Vertrauensbruch seitens des App-Entwicklers

Facebook betont, die Weitergabe der Daten an Cambridge Analytica sei ein Vertrauensbruch seitens des App-Entwicklers gewesen. Erste Medienberichte darüber gab es bereits 2015. Facebook begnügte sich damals jedoch mit der Zusicherung von Cambridge Analytica, dass die Daten gelöscht seien. Die betroffenen Nutzer wurden nicht informiert.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg kündigte an, das solle jetzt nachgeholt werden, und versprach auch einen strikteren Datenschutz. Der Zugang zu Daten der Freunde von Nutzern, die eine Facebook-App benutzen, sei für Entwickler bereits 2015 gekappt worden, teilte Facebook mit.

Gezielte Auswahl politischer Werbung

Cambridge Analytica arbeitete unter anderem im US-Wahlkampf für das Team des zum US-Präsidenten gewählten Donald Trump. Die Firma erklärt, sie könne durch eine gezielte Auswahl politischer Werbung das Wahlverhalten beeinflussen. Über ihre Effizienz im US-Wahlkampf wurde jedoch gestritten.

Barley fordert nun auch kleinteiligere Einverständnis-Erklärungen für die Datennutzung, um mehr Kontrolle zu ermöglichen. In Großbritannien will die Regierung nach Informationen der Londoner "Times" Facebook, aber auch Google und Twitter zu einfacheren Datenschutz-Regeln zwingen. Das Online-Netzwerk schaltete am Sonntag ganzseitige Anzeigen in internationalen Tageszeitungen, um die Nutzer zu beruhigen.

Politiker von SPD und Grünen sehen Regelungsbedarf beim sogenannten Microtargeting - einer Methode, bei der mit Hilfe von Algorithmen gezielt Werbung ausgespielt werden kann. Damit arbeitet auch Cambridge Analytica. Geboten seien etwa "überprüfbare Transparenzvorgaben", nach denen Algorithmen Daten auswählen und gewichten sowie der Schutz vor Diskriminierung, sagte der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagfraktion, Jens Zimmermann, dem "Handelsblatt".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. März 2018 um 09:00 Uhr.

Darstellung: