Zugewanderter Azubi bei Siemens | Bildquelle: dpa

Umfrage unter Flüchtlingen Viele fühlen sich in Deutschland willkommen

Stand: 18.02.2020 15:35 Uhr

Jedes Jahr befragt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Geflüchtete, die zwischen 2013 und 2016 gekommen sind. Die neuesten Ergebnisse zeigen: Sie sprechen immer besser deutsch und sind zufrieden mit ihrem Leben hier.

Einer Umfrage des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zufolge fühlen sich rund drei Viertel aller Flüchtlinge in Deutschland willkommen. Jeweils 37 Prozent der Befragten fühlten sich "sehr stark" oder "stark" willkommen, wie das Forschungszentrum des BAMF in Nürnberg mitteilte.

Das Willkommensgefühl war bei Frauen ausgeprägter als bei Männern. Die Umfrage fand im Jahr 2018 statt. Ende 2018 lebten rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland, die als Schutzsuchende ins Land gekommen waren, die meisten von ihnen zwischen 2013 und 2016.

Die befragten Geflüchteten machten sich seltener Sorgen im Hinblick auf die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland als Deutsche selbst. Dafür hatten Geflüchtete häufiger das Gefühl, schon einmal aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt worden zu sein.

Verbesserte Deutschkenntnisse - auch dank Sprachkursen

Die Wissenschaftler wollten wissen, wie Geflüchtete ihre eigene Lebenssituation und ihre Deutschkenntnisse beurteilen. 44 Prozent schätzen demnach ihre Deutschkenntnisse als gut oder sehr gut ein. 2017 seien es 35 Prozent, bei der ersten Befragung 2016 nur 22 Prozent gewesen. Der Anteil von Personen ohne jegliche Deutschkenntnisse sei auf fünf Prozent gesunken. 85 Prozent hätten an einem Sprachkurs teilgenommen. Den höchsten Anteil an sehr guten oder guten Kenntnissen der deutschen Sprache hatten laut Befragung diejenigen, die bereits 2014 oder 2013 eingereist waren. Später Eingereiste wiesen schlechtere Werte auf.

Flüchtlinge in einem Deutschkurs in Berlin 2016 | Bildquelle: dpa
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Die Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren einen Deutschkurs besucht haben, bewerten ihre Sprachkenntnisse inzwischen als besser.

"Die Geflüchteten bewerten ihre Lebensumstände in Deutschland alles in allem eher positiv", fasst Projektleiterin Nina Rother zusammen. Dabei spiele auch das Gefühl, in Deutschland willkommen zu sein, eine große Rolle. Weitere wichtige Faktoren für die Lebenszufriedenheit seien die familiäre und gesundheitliche Situation sowie der aufenthaltsrechtliche Status. Auch die Erwerbs- und Wohnsituation und das Ausmaß der sozialen Kontakte zu Deutschen seien prägend.

Paare - ganz gleich ob mit oder ohne Kinder - waren der Erhebung zufolge zufriedener als Alleinstehende. Das Geschlecht oder Alter hingegen spielte demnach keine entscheidende Rolle, wie zufrieden die Geflüchteten mit ihren Lebensumständen sind.

Zufriedenheit je nach Arbeitssituation

Negativ beeinflusst werde die allgemeine Lebenszufriedenheit von Sorgen um die persönliche wirtschaftliche Situation, hieß es. Die Zufriedenheit mit der Erwerbs- und Einkommenssituation variiere erwartungsgemäß je nach individueller Erwerbstätigkeit. Diese Ergebnisse deuteten darauf hin, dass sich trotz der Verbesserungen bei Arbeit und Einkommen ein großer Teil der Geflüchteten mit dem bereits Erreichten nicht zufrieden gebe, sondern weiter vorankommen wolle, erläuterte Rother.

Das BAMF-Forschungszentrum befragte 2016 rund 4500 Geflüchtete, im Jahr 2017 waren es mehr als 5600 und im Jahr 2018 etwa 4.300. Insgesamt wurden damit fast 8000 Geflüchtete befragt, mehr als 1750 nahmen an allen drei Befragungen teil.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Februar 2020 um 13:00 Uhr.

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