Auf einem Schild steht der Schriftzug "Bundesamt für Migration und Flüchtlinge" | Bildquelle: dpa

Asyl-Affäre Offenbar neuer BAMF-Chef gefunden

Stand: 17.06.2018 15:29 Uhr

Innenminister Seehofer will das überlastete Flüchtlingsbundesamt komplett umkrempeln. Zuletzt hatte er bereits die Chefin entlassen. Offenbar soll Hans-Eckhard Sommer aus dem bayerischen Innenministerium ihr Nachfolger werden.

Kurz nach der Entlassung von Jutta Cordt als Chefin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist offenbar ein Nachfolger gefunden: Das Amt soll der Leiter des Sachgebiets Ausländer- und Asylrecht im bayerischen Innenministerium, Hans-Eckhard Sommer, übernehmen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen. Zuvor hatte "Focus online" darüber berichtet.

Das Innenministerium hatte am Freitag darüber informiert, dass Innenminister Horst Seehofer Cordt von ihren Aufgaben entbunden hat. Sie hatte das Amt erst Anfang 2017 übernommen.

Große Herausforderungen warten auf Sommer

Das BAMF mit seiner Zentrale in Nürnberg war massiv in die Kritik geraten. In der Außenstelle in Bremen sollen zwischen 2013 und 2016 unrechtmäßig Hunderte Asylanträge bewilligt worden sein. Auch Klagen über massive organisatorische Mängel bei der Behörde häuften sich, etwa darüber, dass unzureichend ausgebildete Mitarbeiter über das Schicksal von Flüchtlingen entscheiden würden.

Auf Sommer warten damit große Herausforderungen. Seehofer hatte bereits vor etwa anderthalb Wochen "eine tiefgreifende Reform" der Behörde angekündigt. Er bezog sich damals aber noch auf Organisation und Verfahren.

Vizepräsident soll auch ausgetauscht werden

Laut "Spiegel" soll auch der bisherige Vizepräsident der Behörde, Ralph Tiesler, ausgetauscht werden. BAMF-Vizepräsidentin Uta Dauke hatte die Behörde schon zuvor verlassen. Sie habe einen neuen, gut dotierten Posten im Bundesinnenministerium übernommen, hieß es aus der Nürnberger Zentrale.

Qualitätsmängel durch großen Druck

Der Arbeitsvertrag von Rudolf Knorr, der den operativen Bereich des BAMF leitet, wurde hingegen bis Ende des Jahres verlängert. Knorr habe den Außenstellen strenge Vorgaben gemacht, wie viele Fälle sie in einer bestimmten Zeit zu bearbeiten hätten, hieß es aus dem Amt. Durch diesen Druck sei es zu Qualitätsmängeln und etlichen falschen Asyl-Bewilligungen gekommen.

Im Krisenjahr 2015 waren rund 890.000 Flüchtlinge weitgehend unkontrolliert nach Deutschland eingereist. Das verschärfte die Überforderung der Behörde. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise lag beim BAMF ein Berg von 1,4 Millionen Anträgen. Cordt löste Anfang 2017 den früheren BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise ab. Sie sollte helfen, den Berg an ausstehenden Asylentscheidungen weiter abzutragen.

Über dieses Thema berichtete am 17. Juni 2018 tagesschau24 um 15:00 Uhr und NDR Info um 17:00 Uhr.

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