Datenschützer Schaar kritisiert Bundesagentur "Jobbörse lädt zum Datenmissbrauch ein"

Stand: 29.10.2009 08:55 Uhr

Peter Schaar
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Deutschlands oberster Datenschützer wirft der BA Versäumnisse bei der Kontrolle der Jobbörse vor.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat die Jobbörse der Bundesagentur im Internet kritisiert. Das Portal lade "zum Missbrauch geradezu ein", sagte Schaar der "Süddeutschen Zeitung". Kriminelle könnten zu Unrecht an Bewerberdaten gelangen, "etwa um persönliche Kontakte anzubahnen." Es dürfe nicht sein, dass sensible Bewerberdaten in falsche Hände geraten. Dies lasse sich mit dem Sozialdatenschutz in keiner Weise vereinbaren.

Schaar hält dem Bericht zufolge insbesondere die Kontrollmechanismen der BA für ungenügend. Bei der Jobbörse müssten Arbeitgeber lediglich den Firmennamen, die Branche sowie Anschrift und Ansprechpartner angeben. Die Identität prüfe die Bundesagentur nicht. Nach der Anmeldung bekomme der Arbeitgeber eine persönliche Identifikationsnummer zugeschickt, mit dieser könne bereits ein Teil der Bewerberdaten in nicht mehr anonymisierter Form eingesehen werden. Jeder könne so Bewerbungsunterlagen anfordern, mit Adresse, Telefonnummer, Geburtsdaten, Zeugnissen und Lebenslauf - egal, ob er einen Job zu vergeben habe oder nicht. Schaar forderte die Bundesagentur auf, "dieses Einfalltor für Datenmissbrauch unverzüglich zu schließen".

BA verweist auf ihre Kontrollen

Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit
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3,8 Millionen Bewerberprofile waren im September auf den Servern der BA gespeichert.

Die Nürnberger Behörde hingegen verweist auf ihre Kontrollen: Man prüfe die Stellenangebote täglich, zumindest per Stichprobe. Außerdem gehe eine Arbeitsgruppe möglichen Missbrauchsfällen nach. Zudem habe man im Hinblick auf die "Engpässe am Arbeitsmarkt" eine Erhöhung der Einstiegsbarrieren für Jobsuchende vermeiden wollen.

Im September fanden sich in der Jobbörse nach Angaben der BA fast 3,8 Millionen Profile von Bewerbern und knapp 600.000 Stellenangebote von mehr als 55.000 Arbeitgebern.

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