Bahngleis

Stillgelegte Ost-Bahnstrecken Zurück zur Schiene

Stand: 10.06.2019 06:00 Uhr

Die neuen Länder waren in den vergangenen Jahren stark von der Stilllegung von Bahnstrecken betroffen. Die Linksfraktion fordert, Abschnitte wieder in Betrieb zu nehmen. Doch das ist kompliziert.

Von Ine Dippmann, MDR

Rund 6500 Kilometer Bahnstrecke sind seit 1990 in Deutschland vom Netz genommen worden. 40 Prozent davon befinden sich in Ostdeutschland. Betroffen zum Beispiel auch eine rund 40 Kilometer lange Strecke im Harzvorland zwischen Dedeleben und Halberstadt.

Michael Schmidt, der hier Kommunen bei der Beantragung von EU-Geldern unterstützt, erklärt: "Diese Bahnstrecke hatte mal eine große wirtschaftliche Bedeutung. Es gab eine Zuckerfabrik in Dederleben, eine Zuckerfabrik in Badersleben, es gab Saatzucht, Salzabbau und andere Wirtschaftsunternehmen. Das haben wir heute alles nicht mehr."

660 Kilometer Strecke wurden seit 1994 in Sachsen-Anhalt still gelegt. Das Land hält damit den Rekord in Mitteldeutschland. In Sachsen sind 510 Kilometer Gleise betroffen, in Thüringen 470 Kilometer. Das hat eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag beim Bundesverkehrsministerium ergeben.

Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender Die Linke | Bildquelle: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX
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Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender Die Linke, fordert ein Reaktivierungsprogramm.

"Vieles hätte sich entwickeln können"

Dietmar Bartsch Vorsitzender der Linksfraktion, war in seiner Heimat in Mecklenburg Vorpommern auf den Rückbau aufmerksam gemacht worden: "Dass es diese Dimension hat, das habe ich nicht geahnt."

Die Menschen in Ostdeutschland hätten Anfang der 1990er-Jahre die Nase voll gehabt von der Reichsbahn, gibt Karl-Peter Naumann zu bedenken. Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn erklärt den hohen Anteil der Streckenstillegungen im Osten so: "Man hat sicher im Osten das gemacht, was man im Westen schon in den 1980er- und 1990er-Jahren gemacht hat, sogenannte unrentable Nebenstrecken eingestellt. Davon war das eine oder andere sicher einstellenswert. Aber es ist auch vieles eingestellt worden, was man besser hätte entwickeln können."

Dass Neu- und Ausbau funktionieren, zeige etwa die S-Bahn in Dresden - wenn das Angebot stimme, kämen auch die Kunden, so Naumann von Pro Bahn.

Bartsch fordert Reaktivierungsprogramm

Die Bundesregierung hat sich im aktuellen Koalitionsvertrag vorgenommen, dafür zu sorgen, dass mehr Menschen mit der Bahn fahren. Dafür müsse der Bund den Kurs aber ändern, sagt Linksfraktionschef Bartsch. Er fordert ein "Reaktivierungsprogramm", das der Bund aufgelegen müsse. "Es gibt viele Strecken, die sofort wieder reaktivierbar sind, da muss zügig gehandelt werden. Denn die politische Situation in den Regionen hat auch damit zu tun, dass die Menschen keinen Kontakt mehr haben, mit vielen Behörden, mit Kultur, mit Sport. Wir brauchen mehr Geld für die Bahn, weniger für Rüstung."

Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium weist darauf hin, dass die Regionalisierungsmittel und die Gelder, die der Bund über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz zuschießt, bereits erheblich erhöht worden sind. "Insofern gibt es viel mehr Spielräume für die Länder gegebenenfalls wieder auf Strecken fahren zu lassen, wo man es in den letzten Jahren nicht mehr finanzieren konnte", so Ferlemann.

Hinzu komme: "Es ist ein relativ kompliziertes Verfahren, einen Schienenweg aufzugeben. Wenn man das einmal gemacht hat, dann ist die Schiene auch weg."

So wie im Harzvorland. Auf Teilen der einstigen Bahntrasse zwischen Halberstadt und Dedeleben verläuft inzwischen ein Radweg.

Bartsch will Reaktivierungsprogramm für stillgelegte Bahnstrecken
Ine Dippmann, MDR
10.06.2019 07:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 10. Juni 2019 Inforadio um 06:23 Uhr und MDR Aktuell um 07:30 Uhr in den Nachrichten.

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