Ein Regionalexpress hält im Hauptbahnhof in Erfurt | Bildquelle: dpa

Linkspartei-Chef Riexinger fordert Aus für 1. Klasse im Nahverkehr

Stand: 15.08.2019 11:38 Uhr

Regionalexpress ohne die 1. Klasse? Das schlägt Linkspartei-Chef Riexinger vor. Für ihn ist das eine längst überfällige Maßnahme: Die Waggons sollten für alle offen sein, so gäbe es "auf einen Schlag" mehr Platz.

Linksparteichef Bernd Riexinger fordert eine Abschaffung der 1. Klasse im Regionalexpress. "Wir reden über Verkehrswende und die Kosten für den notwendigen Ausbau des Nahverkehrs", sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Nicht mehr leere Waggons mitschleppen

"Wir leisten es uns, in überfüllten Regionalexpressen fast leere Waggons mit Wagen der 1. Klasse mitzuschleppen", sagte er. "Die sollten einfach für alle geöffnet werden, dann hätten wir auf einen Schlag mehr Kapazität - und zwar praktisch gratis."

Linken-Chef Bernd Riexinger | Bildquelle: dpa
galerie

"Die 1. Klasse im Nahverkehr gehört abgeschafft", fordert Riexinger.

Auch Busse ohne Klassen

Es sei nicht einzusehen, dass sich bei einem Verkehrsmittel, das günstige Mobilität für alle bereitstellen solle, die "Besserverdienenden auf Kosten der allgemeinen Nutzbarkeit absondern" dürften, sagte Riexinger weiter.

"Bus und Bahn müssen gut für alle werden, statt überfüllt für die einen und fast leer für die anderen." Bussen kämen schon heute problemlos ohne Klassen aus, fügte der Parteichef hinzu. "Die 1. Klasse im Nahverkehr gehört abgeschafft", fügte Riexinger hinzu.

Bahn-Beauftragter lehnt Vorschlag ab

Der Bahn-Beauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, lehnte den Vorschlag ab. Er halte davon gar nichts, sagte er der Deutschen Presse-Agentur: "Wenn jemand für breitere Sitze und mehr Platz bezahlen will, so soll man das Reisen doch so ermöglichen." Er lehne diese "sozialistischen Gleichmachereien" ab, sagte der CDU-Politiker weiter.

Deutsche Bahn: 1. Klasse noch gefragt

Die Deutsche Bahn selbst betont, dass es "die Sitzkapazitäten nur geringfügig erhöhen würde", sollten alle 1. Klasse-Abteile zur 2. Klasse umgewandelt werden. Und das Angebot der 1. Klasse werde nach wie vor nachgefragt und gerade auf längeren Fahrstrecken geschätzt, sagte ein Konzernsprecher. Viele Fahrgäste seien bereit, dafür auch einen Aufpreis zu zahlen. Zudem bediene die Sparte "DB Regio", über die der Regionalverkehr betrieben wird, die Aufträge und Nachfragen der Länder und Kommunen

1. Klasse im Regionalexpress (Archivbild 2014) | Bildquelle: dpa
galerie

1. Klasse im Regionalexpress: Breitere Sitze und mehr Platz.

Ganz ähnlich äußerte sich der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. Riexingers Vorschlag bezeichnete er als "groben Unfug". Ebenso wie die Bahn stellte er die Nachfrage nach der ersten Klasse in den Vordergrund und nannte als Beispiel längere Pendlerstrecken wie die etwa zwischen Rostock und Hamburg oder Berlin und Cottbus. Die Fahrgäste würden die Möglichkeit schätzen, auch im Zug in Ruhe arbeiten zu können. "Wenn ich mehr Platz schaffen will, brauche ich längere Züge", konterte Naumann.

Im Regionalverkehr hat die Deutsche Bahn einen Marktanteil von zwei Dritteln. In der 1. Klasse ihrer Regionalzüge gibt es nach Unternehmensangaben 64.802 Plätze, in der 2. Klasse sind es 931.934.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. August 2019 um 10:15 Uhr.

Darstellung: