Der Sitz der Deutschen Bahn in Berlin | AFP

Tarifstreit Bahn legt GDL neues Angebot vor

Stand: 11.09.2021 15:22 Uhr

Um einen weiteren Streik zu verhindern, hat die Deutsche Bahn eigenen Angaben zufolge ihr Angebot nachgebessert. Die Lokführergewerkschaft GDL solle zu den Tarifverhandlungen zurückkehren, ein Abschluss sei "überfällig".

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn geht das Unternehmen nach eigenen Angaben einen weiteren Schritt auf die Lokführergewerkschaft GDL zu. Ein neues Angebot enthalte nun eine "Entgeltkomponente", teilte die Bahn mit. "Der Konzern erklärt sich außerdem bereit, den Anwendungsbereich der GDL-Tarifregelungen in den heutigen GDL-Mehrheitsbetrieben zu überprüfen."

Darüber hinaus sagte die Bahn zu, bis Ende 2020 erworbene Anwartschaften aus dem früheren Altersvorsorge-System uneingeschränkt zu erhalten. Personalvorstand Martin Seiler sagte, es lägen tragfähige Lösungen auf dem Tisch. "Ein Tarifabschluss mit der GDL ist überfällig." Er forderte die Gewerkschaft auf, zu den Tarifverhandlungen zurückzukehren und rasch zu einem Ergebnis zu kommen.

GDL prüft neues Bahn-Angebot

Die GDL will das neue Angebot der Deutschen Bahn nach eigenen Angaben zunächst prüfen. Man habe es erhalten, werde es bewerten und "zu gegebener Zeit" über weitere Schritte informieren, teilte die Lokführergewerkschaft mit. Nähere Angaben machte die Gewerkschaft nicht.

Die GDL hatte gedroht, von Montag an den nächsten Streik vorzubereiten, sollte die Bahn bis dahin kein "verhandlungsfähiges Angebot" vorlegen. Sie und der Konzern haben sich trotz monatelanger Tarifauseinandersetzung nicht auf einen Abschluss verständigen können.

Die Gewerkschaft fordert 3,2 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro. Die Bahn will die Tariferhöhung über einen längeren Zeitraum strecken und bietet eine Laufzeit von 36 Monaten an. Zudem stimmte sie der Corona-Prämie zu.

Arbeitgeber fordern Gesetzesänderung

Arbeitgeber sehen nach den GDL-Streiks bei der Bahn gesetzlichen Reformbedarf. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Streik habe mit der Umsetzung von Lohnforderungen nicht mehr viel zu tun gehabt. Das sei offensichtlich. "Die GDL ringt um die Vorreiterstellung in einem großen Unternehmen und legt dafür das ganze Land lahm. Das zeigt für mich, dass hier Bedarf für den Gesetzgeber besteht."

Gerade im Bereich der Infrastruktur solle der Staat sensibler darüber nachdenken, wie man "Abkühlungsphasen" organisieren könne. "Denn hier ist der Schaden, den ein Streik anrichtet, besonders groß und nimmt besonders viele Unbeteiligte in Geiselhaft", so Dulger. "Natürlich akzeptiere ich, dass es zu Arbeitskämpfen kommen kann, aber Arbeitskampf ohne Regeln passt nicht in die Soziale Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts."

Dulger stellte klar, keine Nachschärfung des Tarifeinheitsgesetzes zu wollen. Die Lokführergewerkschaft GDL sieht sich in einem scharfen Wettstreit mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Nach dem 2015 verabschiedeten Tarifeinheitsgesetz soll bei zwei Gewerkschaften in einem Betrieb nur der Tarifvertrag der größeren Arbeitnehmervertretung angewendet werden. "Ein Betrieb - ein Tarifvertrag" wird dieser Grundsatz genannt. In einem Großteil der rund 300 Bahnbetriebe ist das aus Sicht der Bahn die EVG.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. September 2021 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.

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KOMMENTARE

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Leipzigerin59 11.09.2021 • 22:58 Uhr

22:17 @ weingasi1

Die Deutsche Bahn AG ist wie der Name sagt, eine Aktiengesellschaft und somit ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen. Die Besonderheit, dass dem Bund zu 100% die Aktien gehören, ändert daran nichts. Im Grunde müssten wir alle gegen die Misswirtschaft dieses Unternehmens protestieren, da sie allen schadet. Haben Sie schon mal Dividende bekommen? Ich nicht, der Bund wohl auch nicht, im Gegenteil, die Schulden der Bahn AG sind gewachsen.