Ein Fahrgast hebt sein Fahrrad in einen ICE-4 | Bildquelle: picture alliance / Andreas Geber

Ausbau des Angebots geplant Die Bahn macht etwas Platz fürs Rad

Stand: 01.11.2019 17:08 Uhr

Die Deutsche Bahn und Fahrräder - das lief bislang nicht rund. Jetzt will sich die Bahn bessern - und bietet auf allen Strecken Stellplätze an. Die Haken: Nicht in jedem Zug, es dauert noch Jahre, es sind nur wenige Plätze.

Wer etwa in Italien Radurlaub macht und dabei hin und wieder die Bahn benutzt, weiß, dass es auch anders funktionieren kann als in Deutschland. Nämlich: völlig problemlos. In Zügen der Deutschen Bahn ist die Fahrradmitnahme hingegen oft ein Ärgernis, in Fernzügen ist es sogar oftmals unmöglich. Bahn und Rad - das läuft nicht rund.

Ziel: Stellplätze in 60 Prozent der Fernzüge

Das soll sich jetzt ändern, kündigt die Bahn nun an. Kunden sollen es künftig leichter haben, ihr Rad mit auf Dienstreise oder in den Urlaub zu nehmen. 2025 sollen auf allen Fernstrecken Fahrradstellplätze verfügbar sein, wenn auch noch nicht in jedem Zug. Ziel seien Mitnahmemöglichkeiten in 60 Prozent des Fernverkehrsangebots, teilte das Bundesverkehrsministerium mit. Heute liegt der Anteil bei 47 Prozent.

ICE-Umrüstung zu aufwändig

Denn während Platz für Fahrräder in Regionalzügen Standard ist, gibt es bislang nur in einem Teil der Fernzüge Platz für Fahrräder: in den rund 180 Intercity-Zügen sowie in 59 ICE-T-Zügen, wo sie nachgerüstet wurden. In ICE der Baureihen 1 bis 3 können Reisende kein Rad mitnehmen. Das bleibt auch so - eine Umrüstung findet die Bahn zu aufwändig.

Dagegen hat der neue ICE 4 ein Fahrradabteil. 39 dieser Züge hat die Bahn schon im Bestand, bis 2023 folgen weitere 80. Die Bahn sicherte auch zu, bei künftigen Umbauten in Bahnhöfen auf den Einbau von Aufzügen zu achten, die groß genug für Fahrräder sind.

Ice 4 | Bildquelle: AFP
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Blick in den neuen ICE 4: Platz für Fußgänger ...

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... und ein Abteil für Fahrräder. Reservieren nicht vergessen!

"Bahn und Fahrrad gehören für uns zusammen", sagte ein Bahnsprecher. "Das ist für das Klima die ideale Kombination." Im Fernverkehr würden heute 350.000 Fahrradkarten pro Jahr verkauft. Rechnerisch ist damit bei maximal etwa jeder zweiten Fahrt ein Fahrrad an Bord. Die Nachfrage steige, sagte ein Sprecher. "Wir werden unsere Kapazitäten deutlich ausbauen."

Acht Plätze pro Zug

Wer mit dem Fahrrad reisen will, sollte aber reservieren. Während Intercity-Züge heute acht bis 16, in Einzelfällen sogar 24 Stellplätze haben, werden es in neuen Zügen künftig weniger sein. Geplant sind acht Plätze pro Zug. Die Bahn geht damit nicht über die Mindestvorgabe einer EU-Richtlinie hinaus. Bedürfnisse der Reisenden und wirtschaftliche Belange müssten berücksichtigt werden, begründet die Bahn die geringe Anzahl pro Zug. Das heißt: Radstellplätze lohnen sich nur begrenzt, schließlich lässt sich die Fläche auch lukrativer nutzen - mit Sitzplätzen.

Fahrradplätze im Fernverkehr seien im Schnitt nur zu 21 Prozent ausgelastet, Sitzplätze für Fahrgäste hingegen zu 56 Prozent, rechnet die Bahn vor.

Ein Mann steigt mit seinem Fahrrad im Frankfurter Hauptbahnhof in den Zug. | Bildquelle: dpa
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Zug um Zug besser werden bei der Fahrradmitnahme - das will die Bahn.

"Ein guter Anfang", findet die Fahrrad-Lobby

Dennoch: Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club sieht die Bahn auf dem richtigen Kurs. "Acht Stellplätze in jedem Zug sind schon mal ein guter Anfang", sagte Fahrrad-Club-Geschäftsführer Burkhard Stork. Das habe die Bahn aber schon 2011 zugesagt. "Die Umsetzung erfolgt leider in sehr kleinen Schritten." Und er merkt an: "Fahrradmitnahme sollte so selbstverständlich sein wie Strom und Wlan im Zug."

Wichtig seien für Radfahrer auch die Details: dass sie Fahrradabteile schnell finden können, dass Türen breit genug sind und dass sich die Räder ohne große Anstrengung abstellen lassen. Außerdem müsse die Bahn flexibel planen: "Acht Plätze können in vielen Fällen reichen - aber in Hotspots des Radreisens wie in Passau und in den Anrainerstädten des Donauradwegs - müssen es saisonal deutlich mehr sein."

Für Lastenräder bleiben die Züge weiterhin tabu. Sie versperrten Durchgänge, seien durch ihre Aufbauten nicht sicher zu befestigen und bereiteten Probleme beim Ein- und Aussteigen, teilte die Bahn mit.

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