Maskenkontrollen am Aktionstag | dpa
Reportage

Bundesweiter Masken-Aktionstag Auf Streife im Zug

Stand: 07.12.2020 19:46 Uhr

Die Bahn verstärkt die Masken-Kontrollen in Zügen: In jedem zweiten Zug sollen im Dezember deshalb Sicherheitsteams an Bord sein. Der bundesweite Aktionstag zeigte, dass sich viele Reisende an die Regeln halten.

Von Pune Djalilehvand, RBB

Estuardo Koehlert und sein Kollege sind am Vormittag zu zweit unterwegs im ICE von Berlin nach Wolfsburg. Die neongelb leuchtenden Westen mit der Aufschrift "DB-Sicherheit" sind von weitem erkennbar. Ein Fahrgast hat sein Frühstücksbrötchen gerade vor sich ausgepackt, als der Sicherheitsbeauftragte ihn bittet, die Maske aufzusetzen. Einsichtig und etwas verlegen kommt er der Bitte nach.

Es ist Alltag geworden für Koehlert. Seit März kontrolliert er in den Zügen der Deutschen Bahn, ob die Passagiere sich an die Maskenpflicht halten. Am Anfang sei das noch etwas ungewohnt für ihn gewesen. Inzwischen hat er sich daran gewöhnt. Die meisten Menschen sind kooperativ.

"Unangenehm wird es, wenn Menschen die Maßnahmen nicht verstehen oder verstehen wollen. Das sind Leute, die teilweise auch aggressiv werden und sich bis zur Eskalation widersetzen." Ungefähr zweimal in der Woche komme es vor, dass Passagiere sich wehren - meist verbal. Oft sei Alkohol im Spiel.

Mehr Kontrollen - wenige Extremfälle

Dass die Bahn die Kontrollen in ihren Zügen im Dezember verdoppeln will, begrüßt die Reisende Lea Seifert sehr gut: "Ich finde wichtig, dass kontrolliert wird. Gerade in der Bahn kann es passieren, dass man auf engstem Raum zusammenkommt. Da ist es wichtig, dass man sich an die Regelungen hält."

An diesem Vormittag bleibt es ruhig auf der Strecke Berlin-Wolfsburg. Auch die Bahn betont, dass ein Großteil der Fahrgäste sich an die Maskenpflicht halte. Inzwischen seien Verstöße die absolute Ausnahme. Bei mehr als 99 Prozent der Kunden gebe es nichts zu beanstanden, sagt DB-Vorstand Berthold Huber.

Fahrgast Lea Seifert (Foto: Pune Djalilehvand) | Pune Djalilehvand, rbb

Lea Seifert begrüßt die Kontrollen. Bild: Pune Djalilehvand, rbb

Erstmal Ruhe bewahren 

Seit 2013 arbeitet Estuardo Koehlert für die "Mobile Unterstützungsgruppe" der Deutschen Bahn. Vor Corona wurde er bei Auseinandersetzungen in Zügen oder Bahnhöfen gerufen. Deeskalation gehört zu seinem Job - auch bei Maskenverweigerern: "Erstmal sprechen wir die Leute an. Wenn sie unkooperativ sind, weisen wir sie nochmal darauf hin. Wir haben auch Ersatzmasken dabei. Wenn sie die nicht annehmen wollen, wird die Person von der Beförderung ausgeschlossen. Erst dann kommt die Bundespolizei ins Spiel."

Konkret bedeutet das: Seit September, einschließlich vergangener Woche, wurden 200.000 Personen angetroffen, die keine Maske trugen. Davon seien bei 3600 Fahrgästen die Personalien aufgenommen und an die Gesundheitsämter weitergeleitet worden, so dass Bußgelder fällig würden. "In 500 Fällen mussten die kontrollierten Personen am nächsten Bahnhof aussteigen", sagte der Präsident der Bundespolizei Dieter Romann.

Drei Beamte der Bundespolizei fahren an diesem Vormittag mit. Zur Hilfe kommen, müssen sie nicht. Estuardo Koehlert ist trotzdem dankbar, dass sie dabei sind: "Für uns ist es eine Erleichterung zu wissen, dass die Polizei im Hintergrund ist."

Keine Reservierungspflicht - auch nicht zu Weihnachten

Kontrollen seien gut, noch sicherer würde sich Passagierin Jutta Graf mit einer Reservierungspflicht fühlen. Zweimal die Woche fährt sie beruflich mit dem ICE, pendelt zwischen Berlin und Köln. Die Reservierungsobergrenze von 60 Prozent reicht ihr nicht: "Was als Angebot ausgewiesen wird, bringt nichts, weil die meisten ohne Reservierung fahren." 

Laut Bahn liegt die Auslastung aktuell bei maximal 25 Prozent. Damit das auch über die Weihnachtstage so bleibt, stockt die Bahn ihr Angebot auf. Mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember kommen 15 neue ICE-4-Züge auf die Strecke und damit rund 13.000 zusätzliche Sitzplätze. Der bundeseigene Konzern will 100 Sonderfahrten in der Weihnachtszeit anbieten. "Es gibt mehr Angebot bei weniger Reisenden, um das Ganze zu entzerren", sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer.

Noch spürt man in der Bahn nichts vom Weihnachtsverkehr. Auch auf der Rückfahrt von Wolfsburg nach Berlin bleibt die Lage unauffällig - inklusive 25 Minuten Verspätung. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Dezember 2020 um 20:00 Uhr.