Bundesautobahn A3 neben der ICE Hochgeschwindigkeitstrasse | Bildquelle: picture alliance / Geisler-Fotop

Streckenausbau 2019 Asphalt statt Schienen in Deutschland

Stand: 22.05.2020 10:48 Uhr

Für den Klimaschutz spielt die Bahn eine zentrale Rolle. Trotzdem wurden 2019 deutlich mehr Autobahnen gebaut und erweitert als Schienen-Verbindungen - zum Ärger der Grünen. Die kritisieren Verkehrsminister Scheuer.

In Deutschland sind im vergangenen Jahr deutlich mehr neue Autobahnen oder Bundesstraßen gebaut oder erweitert worden als Bahnstrecken. Das geht aus Antworten der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor.

Demnach wurden im vergangenen Jahr 61 Kilometer Autobahnen neu gebaut und 38 Kilometer ausgebaut. Bei Bundesstraßen waren es 122 Kilometer Neubau und zwölf Kilometer Erweiterungen. Laut Regierung gehen die Angaben auf vorläufige Zahlen der Länderverwaltungen zurück. Bei der Bahn kamen im Zuge von Ausbauten sechs Kilometer dazu.

Kritik von den Grünen

Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel kritisierte, dass das Missverhältnis von Ankündigungen und Taten in der Verkehrspolitik immer größer werde. "Während das Bundesstraßennetz um mehrere Hundert Kilometer im Jahr wächst, muss man sich beim Schienennetz für jeden Meter, um das es zulegt, freuen", sagte er. "Dabei ist Deutschland längst ausreichend mit Straßen erschlossen und der Handlungsbedarf liegt eindeutig beim lückenhaften Schienennetz."

Bei den Ausbauten der Schiene handelte es sich um jeweils ein zweites Gleis im Abschnitt zwischen Babelsberg und Potsdam in Brandenburg sowie zwischen Niesky und Horka in Sachsen. Dazu kam die Verlegung von S-Bahn-Gleisen in Frankfurt, die Gastel aber nicht als Ausbau zählt. Nicht enthalten sind in den Angaben zufolge Maßnahmen, um Verkehrsknoten zu entlasten sowie Ausbaumaßnahmen, die nicht den Bau eines zusätzlichen Gleises beinhalteten. In der Antwort der Regierung heißt es weiter, 2019 seien keine Schienenwege oder Gleisanschlüsse der Eisenbahnen des Bundes stillgelegt worden.

"Erreichung der Klimaziele rückt in weite Ferne"

Gastel sagte: "In diesen Wochen erleben wir, wie die Bundesregierung zu Recht das System Bahn und seine Beschäftigten für die hohe Systemrelevanz in der Corona-Krise lobt." Doch die Leistungsbilanz von Verkehrsminister Andreas Scheuer für den Ausbau der Schiene sei mager. Von dem CSU-Politiker sei keine Verkehrswende mehr zu erwarten. "Darunter leiden die Mobilitätsalternativen für die Bevölkerung und die Erreichung der Klimaziele rückt in weite Ferne."

Die Deutsche Bahn spielt eine zentrale Rolle im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung. Für den Erhalt des zum Teil maroden Schienennetzes hatte die Koalition zusätzliche Milliardenausgaben in den kommenden Jahren beschlossen. Wegen hoher Kosten und niedriger Fahrgastzahlen in der Corona-Krise braucht die Bahn aktuell aber erneut Milliardenhilfen vom Staat, um ein drohendes Finanzloch zu stopfen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. Mai 2020 um 07:04 Uhr.

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