Bahnreisende gehen mit ihren Koffern auf einem Gleis im Frankfurter Hauptbahnhof an einem ICE der Deutschen Bahn entlang. | picture alliance/dpa

3G für Züge Zweifel an Kontrollierbarkeit

Stand: 30.08.2021 17:08 Uhr

Noch immer ist unklar, welche Corona-Auflagen künftig für Bahnkunden gelten. Kanzlerin Merkel hält eine 3G-Regel in Fernzügen für sinnvoll. Mehrere Bundesministerien haben Bedenken.

Von Claudia Plaß, ARD-Hauptstadtstudio

Zum Schutz vor Corona-Infektionen wird derzeit darüber diskutiert, ob nur Passagiere, die geimpft, genesen oder negativ getestet sind, Zugang zu Fernzügen haben sollten. Das gilt auch für Inlandsflüge. Bundeskanzlerin Angela Merkel hält an der geplanten sogenannten 3G-Regel fest, wie  Regierungssprecher Steffen Seibert betonte: "Die Fallzahlen in Deutschland steigen deutlich, das heißt, wir müssen doch darüber nachdenken, was wir tun können, um diesen Anstieg auch wieder zu dämpfen oder zu stoppen."

Claudia Plaß ARD-Hauptstadtstudio

Erfahrungen aus Frankreich

Ein großer Teil der Menschen in Deutschland sei geimpft und damit geschützt, so Seibert, aber man trage gerade für die Kinder bis zwölf Jahren Verantwortung, für die es keinen Impfstoff gebe. Seibert verwies zudem darauf, dass Frankreich die 3G-Regel im Fern-Bahnverkehr im August eingeführt habe, auch Italien werde dies tun. "Als unmöglich oder unkontrollierbar gilt es dort zumindest nicht, insofern ist die Bundeskanzlerin weiter der Meinung, dass 3G in Fernzügen und auf Inlandsflügen eine mögliche und sinnvolle Maßnahme sein kann", sagte Seifert.

In Sachen Kontrollierbarkeit aber haben mehreren Bundesministerien Bedenken. Nach Ansicht von Gesundheits-, Verkehrs- und Innenministerium wäre es praktisch nicht durchführbar, eine solche Regelung durchzusetzen, formulieren die Ministerien in einem Schreiben, das dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt. Darin heißt es: "Die Einführung einer 3G-Regelung, die offensichtlich nicht oder jedenfalls nur sehr eingeschränkt kontrolliert und damit durchgesetzt werden kann, läuft ins Leere."

Kontrolle beim Einstieg scheint ausgeschlossen

Wesensmerkmal des öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs sei der öffentliche Zugang. Mit Blick auf Zugreisende heißt es, anders als beispielsweise in Frankreich würden Fahrgäste beim Einstieg nicht kontrolliert und müssten sich auch nirgendwo registrieren beziehungsweise einen festen Sitzplatz reservieren. Eine Kontrolle beim Einstieg sei wegen der kurzen Haltezeiten ausgeschlossen.

Es gibt also Regelungsbedarf und Schwierigkeiten bei einer möglichen Umsetzung, wie der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Alter, erklärte: "Manches ist ja auch für jeden Außenstehenden sofort einleuchtend, dass, wenn ein Fernzug 30 Sekunden oder 45 Sekunden irgendwo anhält, dass man sich dann darüber Gedanken machen muss, wie will man das eigentlich organisieren, wenn man sich vorher nicht registrieren mussten. Diese Frage steht auch im Raum, die muss man beantworten."

Auch Scholz befürwortet 3G-Regelung

Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hatte sich am Sonntag beim sogenannten Triell auf RTL und n-tv hinter die Kanzlerin gestellt und sich für eine 3G-Regelung ausgesprochen, um für mehr Sicherheit für Reisende zu sorgen. Sein Vorschlag in Sachen Kontrollierbarkeit: "Wenn man bei den Fernzügen einsteigt, dann muss man auch nicht die Fahrkarte vorzeigen", sagte Scholz. "Man wird hinterher kontrolliert."

Derzeit wird eine 3G-Regel innerhalb der Regierung weiter geprüft, wie Seibert sagte - und zu einem Prüfauftrag gehörten Gegenargumente dazu. Die Debatte ist also noch nicht abgeschlossen. Man bleibe im Austausch, so Seibert - und werde weiter sehr genau beobachten, wie sich die Corona-Fallzahlen entwickeln.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. August 2021 um 14:00 Uhr.