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Georg Bätzing "Macht muss kontrolliert werden"

Stand: 04.06.2021 20:26 Uhr

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bätzing, fordert fundamentale Reformen, um die Kirche aus der Krise zu führen. In den tagesthemen plädierte er für ein neues Verhältnis zur Macht. Schönheitsreparaturen allein reichten nicht.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sieht die Katholische Kirche in einer massiven Krise und fordert fundamentale Reformen. "Alle, die denken, dass die Kirche aus dieser massiven Krise herauskommen könnte durch ein paar Schönheitsreparaturen äußerlicher Art, juridischer Art, verwaltungsmäßig, die täuschen sich", sagte Bätzing im Interview mit den ARD-tagesthemen zur Rücktrittsankündigung von Kardinal Reinhard Marx.

Man habe in der Kirche "solches Systemversagen" wahrgenommen, dass es darauf nur "systemische Antworten" geben könne, sagte Bätzing. Diese Antworten müssten fundamental sein.

Neues Verhältnis zur Macht gefordert

Bätzing forderte ein neues Verhältnis der Kirche zur Macht und zur Gewaltenteilung. Da sei "ganz viel möglich", sagte er. Die bischöfliche Macht etwa habe "etwas von vergangenen Zeiten". Nun brauche es die "Kontrolle auf jeder Ebene von Machtausübung in der katholischen Kirche". Zwar müsse es Macht geben, sonst habe man keine Gestaltungsmöglichkeiten, sagte Bätzing den tagesthemen. "Aber diese Macht muss kontrolliert werden."

Das Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx sei für ihn eine große Überraschung gewesen, sagte Bätzing, und "auch ein Schock". Der Münchner Kardinal Marx hatte zuvor überraschend Papst Franziskus den Verzicht auf sein Amt angeboten. Eine persönliche Entscheidung, betonte Marx, die die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals innerhalb der Kirche vorantreiben soll.

Souveräne Entscheidung von Marx

Man habe aber dem Kardinal seit etlicher Zeit angemerkt, "dass es in ihm gärt und arbeitet", sagte Bätzing im tagesthemen-Interview. Die katholische Kirche könne auf ihn, seine Stimme und seine Kraft, auch seine denkerische Kraft, nicht verzichten, so Bätzing. "Und ich hoffe, dass wir das auch nicht müssen, selbst wenn er nicht mehr Bischof von München/Freising ist."

Auf die Frage, ob der in der Kritik stehende Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki, in einer Kirche, die sich erneuern müsse, noch eine führende Rolle einnehmen könne, sagte Bätzing: "Das muss der Kardinal Woelki für sich entscheiden und es spielen jetzt andere mit, die Visitatoren und Papst Franziskus spielen mit." Während Marx heute eine souveräne Entscheidung getroffen habe, sei der Zeitpunkt hierfür im Erzbistum Köln überschritten.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. Juni 2021 um 21:45 Uhr.