Baerbock beim Grünen-Parteitag | dpa

98,5 Prozent Zustimmung Grüne machen Baerbock zur Kanzlerkandidatin

Stand: 12.06.2021 16:36 Uhr

Mit überwältigender Mehrheit haben die Grünen Annalena Baerbock zu ihrer Kanzlerkandidatin gewählt. 98,5 Prozent stimmten für sie. In ihrer Rede griff sie die Union scharf an.

Der Grünen-Parteitag hat sich mit großer Geschlossenheit hinter Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin gestellt und das Wahlkampf-Spitzenduo bestätigt. 678 von 688 Online-Delegierten unterstützen die Kandidatin und das Duo aus den beiden Parteichefs Baerbock und Robert Habeck als Wahlkampf-Team. Das entspricht 98,55 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Mit der 40-jährigen Baerbock ziehen die Grünen erstmals mit dem Ziel in den Wahlkampf, die Kanzlerschaft zu übernehmen. Zuletzt war sie nach mehreren Fehltritten in die Kritik geraten. Zuerst wurde bekannt, dass Baerbock Sonderzahlungen an den Bundestag nachmeldete. Dann gab es Kritik, weil sie und ihre Partei mehrmals irreführende Angaben im Lebenslauf von Baerbock korrigieren mussten. Habeck wiederum sorgte mit Forderungen nach der Lieferung von "Defensivwaffen" an die Ukraine für Verwirrung.

Dank für den "Rückenwind"

Baerbock dankte den Delegierten nach ihrer Wahl für den "Rückenwind, gerade nach dem Gegenwind der letzten Wochen". Sie habe selbst Fehler gemacht. In so einer Phase die Solidarität der Parteifreunde zu spüren, habe ihr Kraft gegeben. Sie sehe das Abstimmungsergebnis als Zeichen der vollen Solidarität. "Robert, Dich da an meiner Seite zu wissen, das hat Kraft gegeben und volle Power", sagt sie an Habeck gewandt.

Nach Baerbocks Nominierung hatten die Grünen zunächst ein Umfragehoch genossen. In der Sonntagsfrage kamen sie auf bis zu 28 Prozent und lagen teilweise sogar vor der Union, die zu diesem Zeitpunkt mit der Maskenaffäre und dem Führungsstreit zwischen CDU-Chef Armin Laschet und dem CSU-Vorsitzenden Markus Söder zu kämpfen hatte.

Aufbruchstimmung und Kritik an der Union

In ihrer knapp 40-minütigen Rede nach der Wahl zur Kanzlerkandidatin ging Baerbock auch auf Menschen außerhalb des grünen Milieus zu: "Dem Wohle aller zu dienen - das ist unser Kompass." Wenn sie "Wir" sage, seien damit nicht nur die Mitglieder der eigenen Partei gemeint, sondern "mit 'Wir' meine ich jeden Bürger und jede Bürgerin", sagte sie. Mit Mut, "Erfindergeist, Solidarität und Vielfalt" lasse sich eine Veränderung gestalten, die Halt geben könne in der Zukunft.

Mit Blick auf die vergangenen Jahre unter der schwarz-roten Regierungskoalition sagte Baerbock, mit einer Politik, die immer nur nach Stimmung und Umfragen schaue, sei die "Klimakrise" nicht zu bewältigen. "In den letzten Jahren ist die Regierungspolitik in Deutschland wie auf Autopilot gefahren", sagt Baerbock. Politik sei das gewesen, was machbar erschien. "Für uns handelt Politik vor allem davon, was wir möglich machen." Der Wahlkampf sei ein Duell mit der Union. "Erstmals seit Jahrzehnten liegt echter Wechsel in der Luft", sagt Baerbock.

Angebot an die Wirtschaft

Beim Umbau der Wirtschaft zur Bekämpfung des Klimawandels bot Baerbock der Wirtschaft einen "Pakt" an. Dabei gehe es um die verbindliche Verabredung, dass der Staat der Wirtschaft die Kosten erstatte, die sie zusätzlich aufbringen müssten, um klimaneutral zu wirtschaften. "Statt zu verhindern und abzuwehren, will ich ermöglichen."

ARD-Korrespondent Stephan Stuchlik attestierte Baerbock, eine "beachtliche Rede" gehalten zu haben. Besonders, weil sie nicht den Ruf einer guten Rednerin genieße. Sie habe es geschafft, einen großen Entwurf grüner Regierungspolitik zu liefern.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Juni 2021 um 16:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
free Nawalny 12.06.2021 • 22:25 Uhr

Alles Gute

Ich wünsche Annalena alles Gute. Die Grünen machen für meine Begriffe eine ehrliche und authentische Politik. Meine Frau ist Mitglied der Grünen.