Annalena Baerbock | EPA

Baerbock auf Geberkonferenz Zusätzliche Millionen für Afghanistan

Stand: 31.03.2022 16:48 Uhr

Deutschland will nach Angaben von Außenministerin Baerbock zusätzliche 200 Millionen Euro an humanitärer Hilfe für Afghanistan zur Verfügung stellen. Auf der UN-Geberkonferenz forderte sie die Taliban eindringlich zur Achtung von Frauenrechten auf.

Deutschland wird zusätzliche 200 Millionen Euro an humanitärer Hilfe für Afghanistan zur Verfügung stellen. Das gab Bundesaußenministerin Annalena Baerbock bei einer virtuellen Geberkonferenz für das Krisenland bekannt.

Menschen von Hungersnot bedroht

Die humanitäre Krise, die die afghanische Bevölkerung durchlebe, zähle zu den schwersten der Welt, sagte Baerbock. Derzeit seien 23 Millionen Menschen in dem Land von einer Hungersnot bedroht, sagte sie mit Verweis auf eine anhaltend schwere Dürre. Die Wirtschaft sei nach der Machtübernahme der Taliban schwer getroffen und die Corona-Pandemie belaste zusätzlich. "Deshalb muss die internationale Gemeinschaft ihre humanitäre Unterstützung für Afghanistan verstärken."

Gleichzeitig forderte Baerbock die in Afghanistan regierenden militant-islamistischen Taliban dazu auf, humanitären Helfern ungehinderten Zugang zu verschaffen und ihre Sicherheit zu gewährleisten.

Es sei inakzeptabel, dass es etwa dem UN-Welternährungsprogramm (WFP) derzeit nicht möglich sei, die Provinzen Kabul, Kandahar und Ghor mit lebensrettenden Nahrungsmitteln zu versorgen.

"Fortschritte der Frauen dürfen nicht weggespült werden"

Baerbock sprach auch den Umgang mit Frauen in Afghanistan an. "Die Fortschritte, die die Frauen und Mädchen Afghanistans in den letzten zwei Jahrzehnten errungen haben, dürfen nicht einfach fortgespült werden wie Eis, das in der Sonne dahinschmilzt", sagte sie. "Sie sollten unerschütterlich sein. Das ist unser eindringlicher Appell an die Taliban."

Sie forderte die Islamisten zudem dazu auf, überall im Land gleichberechtigten Zugang zu Bildung zu gewähren. Weiterführende Schulen sind für Mädchen in Afghanistan weiter geschlossen. Die Notlage der Mädchen veranschauliche das Leid der Menschen im Land, sagte Baerbock. Es habe ihr das Herz gebrochen zu sehen, wie die Mädchen vor ihren geschlossenen Schulen weinten.

Ein Engagement Deutschlands über humanitäre Hilfe hinaus hänge weiter von den Taten der Regierung der Taliban ab, sagte die Außenministerin weiter. Berlin erwarte eine Achtung der Menschenrechte, die Bildung einer inklusiven Regierung und eine Bekämpfung des Terrorismus.

UN hoffen auf vier Milliarden Euro

Die Vereinten Nationen, die die Geberkonferenz organisieren, wollen vier Milliarden Euro zusammenbekommen. "Ohne sofortiges Handeln werden wir uns mit einer Hunger- und Unterernährungskrise in Afghanistan konfrontiert sehen", warnte UN-Generalsekretär Antonio Guterres.

Großbritannien hatte am Mittwoch 286 Millionen Pfund (umgerechnet 338 Millionen Euro) zugesagt. Das Geld soll direkt an anerkannte Hilfsorganisationen fließen und nicht in die Hände der neuen Regierung fallen. Mit dem Geld sollen Lebensmittel, Wasser, Medikamente, Unterkünfte und andere Hilfsgüter finanziert werden. Neben den Vereinten Nationen organisieren Deutschland, Großbritannien und Katar die Veranstaltung mit.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. März 2022 um 17:00 Uhr.