Ali B., der Tatverdächtige im Fall Susanna, wird zum Polizeihubschrauber abgeführt. | Bildquelle: dpa

Fall Susanna Irak kritisiert Übergabe von Ali B.

Stand: 13.06.2018 09:50 Uhr

Die irakische Regierung hat die Übergabe des Tatverdächtigen im Fall Susanna kritisiert. Die kurdische Regionalregierung und Deutschland hätten damit gegen geltendes Recht verstoßen.

Die irakische Regierung hat die Übergabe des Tatverdächtigen im Fall Susanna an Deutschland als Rechtsverstoß kritisiert. Es gebe zwischen beiden Ländern kein Abkommen über eine Auslieferung von gesuchten Personen, teilte das Außenministerium in Bagdad mit. Den Verstoß hätten sowohl die kurdische Regionalregierung als auch Deutschland begangen. Nur das Justizministerium der irakischen Zentralregierung in Bagdad habe die Befugnis für einen Austausch von Gesuchten.

Gedenken an die getötete Susanna | Bildquelle: AFP
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Die Ermordung der Mainzerin Susanna hat auch zu politischem Streit geführt.

Der Verdächtige Ali B. war nach der Tat in die kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak geflohen und dort festgenommen worden. Kurdische Sicherheitskräfte übergaben ihn am Samstag in der Regionalhauptstadt Erbil deutschen Polizeibeamten, die ihn zurück nach Deutschland geleiteten. Der Chef der Bundespolizei, Dieter Romann, war persönlich in den Nordirak geflogen, um den Verdächtigen abzuholen.

Der Haftbefehl gegen Ali B., der zuvor in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden gelebt hatte, lautet auf dringenden Verdacht des Mordes und der Vergewaltigung. Der Iraker hatte in einer fast sechsstündigen Vernehmung vor dem Wiesbadener Amtsgericht gestanden, das aus Mainz stammende Mädchen Susanna umgebracht zu haben. Die Vergewaltigung bestritt er jedoch. Ali B. sitzt in Frankfurt am Main in Untersuchungshaft. Wann ihm der Prozess gemacht werden kann, ist nach Angaben der Oberstaatsanwältin noch offen.

Ali B. offenbar älter als gedacht

Anders als zuerst angenommen soll Ali B. zum Tatzeitpunkt bereits 21 Jahre alt gewesen sein. Damit gälte er vor Gericht nicht mehr als Heranwachsender - und müsste im Falle einer Verurteilung mit einer deutlich härteren Strafe rechnen, wie die Staatsanwaltschaft Wiesbaden gestern mitteilte.

Die neue Altersangabe soll auf Informationen des irakischen Generalkonsulats in Frankfurt beruhen. Nach mündlicher Auskunft des Konsulates wurde Ali B. im März 1997 geboren und nicht wie zunächst angenommen im November 1997, sagte der Staatsanwalt. Dem Konsulat lägen entsprechende Ausweisdokumente vor. Da der Staatsanwaltschaft bisher noch nichts schriftlich vorliege und die Informationen nicht überprüft worden seien, stünden sie noch unter Vorbehalt.

Bei der zunächst falschen Altersangabe kann es sich aus Sicht der Ermittler um ein Missverständnis gehandelt haben. Auf den irakischen Dokumenten sei der 11.3.1997 als Geburtsdatum vermerkt, bei der Übertragung ins Deutsche sei auf dem Asylantrag dann der 3.11.1997 daraus geworden. Es könne sich schlicht um einen Zahlendreher handeln, sagte Oberstaatsanwältin Christina Gräf.

Über dieses Thema berichtete SWR Aktuell am 13. Juni 2018 um 09:47 Uhr.

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