Zwei Menschen sitzen in einem Warteraum des Impfzentrums von BASF. | dpa

Impfpriorisierung endet "Wir impfen, so viel wir eben können"

Stand: 07.06.2021 07:35 Uhr

Während viele Impfwillige diesen Tag herbeigesehnt haben, erfüllt er andere mit Sorge: Heute endet die Priorisierung für Corona-Impfungen. Hausärzte und Impfzentren befürchten einen Ansturm, dem sie nicht gerecht werden können.

Impfwillige dürfen sich ab heute unabhängig von der bisher gültigen Prioritätenliste in Deutschland gegen das Coronavirus impfen lassen. Mit dem Ende der Priorisierung ist die Vergabe der Impfstoffe an alle Menschen ab zwölf Jahren grundsätzlich möglich. Allerdings wird es wohl den Sommer über dauern, bis für alle genug Impfstoff verfügbar ist.

Absehbar ist deshalb, dass viele Impfwillige noch viel Geduld brauchen. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, sagte der "Rheinischen Post", die Aufhebung der Impfpriorisierung werde bei vielen Menschen zu Ernüchterung führen. "Enttäuschung und Frust sind dabei vorprogrammiert, da nicht sofort ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht", sagte er. So werde es zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen mindestens bis Mitte Juni keine neuen Termine für Erstimpfungen in den Impfzentren geben.

Noch nicht alle Risikopatienten geimpft

Auch die deutschen Hausärzte dämpften die Erwartungen an das Ende der Impfpriorisierung. "Denn letztlich ist der Impfstoff noch immer zu knapp für die hohe Nachfrage und wird auch weiterhin zu unzuverlässig geliefert", sagte Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Gleichzeitig werde mit der Aufhebung der Priorisierung und der Ankündigung der Kinder- und Jugendimpfungen die Nachfrage noch zunehmen. "Aber das Setting wird das Gleiche bleiben: Wir impfen, so viel wir eben können."

Viele halten das Ende der Priorisierung auch deshalb für verfrüht, weil noch nicht überall alle Menschen mit hohen Risiken geimpft worden sind. In Schleswig-Holstein, Hamburg und Bayern sollen deshalb in den Impfzentren weiterhin Risikogruppen bevorzugt geimpft werden. In Bremen arbeiten die Zentren die Vorranglisten zunächst weiter ab. Und auch im Saarland sollen Menschen der bisherigen Priorisierungsgruppen nach wie vor vorrangig bei Terminen bedacht werden.

Zusätzlich zu den Impfzentren und niedergelassenen Ärzten steigen ab dieser Woche mehr als 6000 Betriebsärztinnen und -ärzte in die Impfungen ein. Doch auch sie bekommen den Mangel an Impfstoff zu spüren. Für die erste Woche erhalten sie nur 702.000 Impfstoffdosen.

BioNTech-Vakzin auch für Kinder freigegeben

Zu den Impfwilligen, die ab heute einen Termin beim Arzt erhalten dürfen, zählen auch Kinder ab 12 Jahren. Denn Europas Arzneimittelbehörde EMA hatte Ende Mai grünes Licht für die Zulassung des Präparats von BioNTech und Pfizer für dieses Alter gegeben, zuvor war es ab 16 frei.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) kündigte eine Empfehlung zur Impfung von Kindern an. Es wird erwartet, dass sie mangels ausreichender Datenbasis keine generelle Empfehlung gibt, sondern den Impfstoff zunächst vor allem etwa für vorerkrankte Kinder vorsieht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Juni 2021 um 06:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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weingasi1 07.06.2021 • 17:05 Uhr

Am 07. Juni 2021 um 15:23 von Corona Obermayer

Außerdem könnte Sputnik keine nennenswerten Mengen vor Herbst 2021 liefern. In Russland selbst sind ja auch noch wesentlich weniger Menschen geimpft als in der EU. Denen können wir unmöglich den Impfstoff weg kaufen. __ Soweit mir bekannt ist, war die Produktion von Sputnik von Beginn an als "Lizenz"-Produktion geplant. In Russland selbst sollte nur hergestellt werden, was dort auch an die impfskeptische Bevölkerung verimpft werden kann/soll. Alle grösseren Mengen, die bislang in versch. Ländern verimpft wurden, sind unter Lizenz hergestellt worden. Natürlich KÖNNTEN wir Sputnik kaufen, so er denn zugelassen wäre. Ist er aber nicht. Aus Gründen, die nur der Hersteller kennt und ohne Zulassung soll/kann/wird er nicht verimpft. Punkt.