Kernkraftwerk Isar 2 | imago images/Stefan M Prager
Hintergrund

Debatte um Atomenergie Was ein "Streckbetrieb" bedeuten würde

Stand: 28.07.2022 11:46 Uhr

In der Ampelkoalition wird über verlängerte Laufzeiten für Atomkraftwerke diskutiert. Dabei fällt immer wieder der Begriff "Streckbetrieb". Was heißt das - und welche Folgen hätte dies?

Von Christian Schaaf, ARD-Hauptstadtstudio

Deutschland soll nach dem Atomgesetz bis zum 31. Dezember ein Land ohne laufende Kernkraftwerke sein. Die Bundesregierung prüft, ob ein Betrieb der bisher drei stromproduzierenden Atommeiler über dieses Datum hinaus in einem sogenannten Streckbetrieb nötig ist.

Die drei Meiler Isar 2, Neckarwestheim und Emsland produzieren bislang noch etwa sechs Prozent der in Deutschland verbrauchten Strommenge.

Zeitliche Verlängerung - kein zusätzlicher Strom

Fallen die Atomkraftwerke weg, muss diese Menge mit Gas- oder Kohlekraftwerken oder dem schnellen Zubau von erneuerbaren Energieformen ausgeglichen werden. Sollte das nicht möglich sein, könnten die Atommeiler auch über den Winter Strom produzieren und so zur Energieversorgung beitragen.

Da bislang nicht entschieden wurde, neue Brennelement für die Atommeiler zu kaufen, müssten die Anlagen mit dem verbleibenden Kernbrennstoff in ihren Reaktoren auskommen. Nach Darstellung des für den Betrieb der Atomkraftwerke zuständigen Umweltministeriums müsste deshalb die Stromproduktion jetzt schon gesenkt werden, damit der Brennstoff länger reicht. Der "Streckbetrieb" würde nach der Darstellung des Ministeriums so zu einer zeitlichen Verlängerung der Atomstromproduktion führen - aber nicht zu zusätzlichen Strommengen.

Wer übernimmt die Haftung?

Allerdings gibt es für das Weiterlaufen der Reaktoren hohe Hürden. Zum einen ist ein umfangreicher Sicherheitscheck der Anlagen überfällig: Normalerweise werden diese alle zehn Jahre einer gründlichen Sicherheitsprüfung unterzogen, die viele Monate dauern kann. Bei den drei noch laufenden Anlagen sind die letzten Checks allerdings schon bis zu 13 Jahre her.

Mit Blick auf das Abschaltdatum 2022 wurde die Sicherheitsprüfung, die eigentlich 2019 fällig war, nicht mehr durchgeführt. Ob die Frist bis zu einer neuen, sogenannten Periodischen Sicherheitsüberprüfung noch einmal verlängert werden kann, ist mehr als fraglich.

Dazu kommt, dass die Betreiberfirmen der Atomkraftwerke ab dem ersten Januar keine Haftung für Unfälle übernehmen wollen. Ob der Bund diese Haftung in Zukunft übernimmt, ist noch nicht geklärt.