Frauen auf einer Demonstration in Guatemala-Stadt | Bildquelle: dpa

"Atlas der Zivilgesellschaft" Unterdrückt, bedroht und verfolgt

Stand: 04.03.2020 12:51 Uhr

Nur rund drei Prozent der Weltbevölkerung leben laut einer Studie in Staaten, die die Grundrechte respektieren. Acht von zehn Menschen werden demnach bedroht, wenn sie politisch aktiv werden. Besonders betroffen: Frauen.

Gewalt gegen Demonstranten, Zensur von Medien und Internet, Hass und Hetze: In vielen Teilen der Welt kann von einer wirklich offenen Gesellschaft keine Rede sein. Das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" und das Netzwerk Civicus zeichnen im "Atlas der Zivilgesellschaft" ein düsteres Bild der Gesellschaften weltweit. Acht von zehn Menschen weltweit werden demnach bedroht, wenn sie sich politisch engagieren.

Nur noch rund 260 Millionen Menschen leben laut der Studie in 43 sogenannten offenen Staaten - das entspreche drei Prozent der Weltbevölkerung. Das heißt, dass dort zum Beispiel Demonstrationen erlaubt sind, Medien frei berichten dürfen und Autoritäten sich offen für Kritik zeigen. Neben Deutschland zählen viele europäische Länder oder auch Neuseeland, Uruguay, Costa Rica und zahlreiche kleinere Inselstaaten in diese Kategorie.

Die Präsidentin von "Brot für die Welt": Cornelia Füllkrug-Weitzel | Bildquelle: dpa
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"Frauen werden überproportional häufig Opfer von digitaler, psychischer und schließlich auch physischer Gewalt bis hin zur politisch motivierten Ermordung", sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von "Brot für die Welt".

Malta und Australien laut Studie keine offenen Staaten

Ein Jahr zuvor verzeichnete der Atlas noch 45 Staaten, in denen rund 282 Millionen Menschen lebten. Australien und Malta rutschten in diesem Jahr aus der besten Kategorie ab.

Auch in anderen Staaten verschlechterte sich die Lage: EU-Beitrittskandidat Serbien stieg in die Kategorie mit "beschränkter" Freiheit ab, wo sich auch Ungarn wiederfindet. Wie im Vorjahr bewertet der "Atlas die die Zivilgesellschaft" in dreizehn EU-Ländern als "beeinträchtigt". Als Gründe machen die Autoren Nationalismus und Autoritarismus sowie einen wachsenden Einfluss fundamentalistischer religiöser Gruppen aus.

Rechte von 1,1 Milliarden Menschen eingeschränkt

Weltweit leben demnach rund 1,1 Milliarden Menschen in einem der 153 Staaten, in denen die Rechte der Zivilgesellschaft eingeschränkt oder sogar unterdrückt werden. In 42 Ländern werden grundlegende Rechte wie die Meinungsfreiheit verletzt. Dazu zählen die Autoren des Berichts etwa die EU-Länder Frankreich, Griechenland, Italien, Spanien und Malta, aber auch Argentinien, Australien, Japan oder die USA.

Drei Milliarden Menschen müssten fürchten, überwacht, eingeschüchtert, inhaftiert, verletzt oder sogar getötet zu werden, wenn sie die Machthaber in ihrem Land kritisierten, schreiben die Autoren der Studie. Das seien knapp 40 Prozent der Weltbevölkerung, die in 38 Staaten lebten, in denen die Zivilgesellschaft "unterdrückt" werde.

Von einer vollständig "geschlossenen" Gesellschaft geht der Atlas in 24 Ländern aus, in denen rund zwei Milliarden Menschen leben. Zu dieser Kategorie zählen Staaten wie Ägypten, China, Iran, Jemen, Libyen, Saudi-Arabien und Syrien.

Gewalt gegen Frauen "überproportional" hoch

Einen thematischen Schwerpunkt setzten die Autoren des Berichts in diesem Jahr auf Frauenrechte. "Frauen werden überproportional häufig Opfer von digitaler, psychischer und schließlich auch physischer Gewalt bis hin zur politisch motivierten Ermordung", sagte die Präsidentin von "Brot für die Welt", Cornelia Füllkrug-Weitzel.

"Die Diskriminierung geht weiter, wenn Morde dann als Beziehungstat und nicht als politisch motivierte Angriffe gegen Frauen erfasst und verfolgt werden", kritisierte sie. Dabei seien es weltweit häufig Frauen, "die Entwicklungs- und Versöhnungsprozesse tragen und positive Veränderungen anstoßen".

Vorgehensweise "Atlas der Zivilgesellschaft"

Die zum dritten Mal vorgelegte Auswertung für 196 Länder stützt sich vor allem auf Daten des Netzwerks für bürgerschaftliches Engagement Civicus. Die Staaten werden in fünf Kategorien eingeordnet - von "offen" über "beeinträchtigt", "beschränkt" und "unterdrückt" bis zu "geschlossen".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. März 2020 um 16:00 Uhr in den Nachrichten.

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