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Thrombose-Risiko bei AstraZeneca Greifswalder Forscher finden mögliche Ursache

Stand: 19.03.2021 16:35 Uhr

Greifswalder Forscher haben eine mögliche Ursache für die Komplikationen beim Corona-Impfstoff von AstraZeneca gefunden. Sie vermuten, dass es sich bei den Thrombosen um eine Abwehrreaktion der Blutplättchen handelt.

Wissenschaftler der Universitäts-Medizin Greifswald haben einen schnellen Forschungserfolg gemeldet. Nach der Untersuchung von Blutproben hätten sie die Ursache für die Blutgerinnungsstörungen nach einigen Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff gefunden.

"Bei allen Patienten mit der Komplikation, die wir bislang untersuchen konnten, haben wir das gleiche gefunden", erklärte Andreas Greinacher, Leiter der Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald. Offenbar hat der Impfstoff bei den Probanden eine Abwehrreaktion der Blutplättchen aktiviert. Das habe zu einer Bildung von Blutgerinseln im Gehirn geführt. Das passiere normalerweise etwa, wenn Gefäße beschädigt seien.

Ob die Reaktion auf den Impfstoff selbst oder den Vektor - also die Verpackung des Wirkstoffes - zurückgehe, oder es sich um eine allgemeine Entzündungsreaktion handele, müsse noch untersucht werden.

Kleine Stichprobe

Für ihre Forschung haben die Greifswalder mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zusammenengearbeitet. Dieses stellte ihnen Blutproben von Menschen zur Verfügung, die nach einer Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin schwerwiegende Thrombosen entwickelt hatten. Da diese Komplikation sehr selten ist, ist die Stichprobe sehr klein. Das Blut von vier Betroffenen sei intensiv untersucht worden, drei weitere Proben hätten die Annahmen bestätigt. Weitere Proben würden noch untersucht.

Von unabhängigen Experten geprüft und in einem Fachjournal erschienen sind die Ergebnisse noch nicht. Über eine ähnliche Vermutung hatten am Donnerstag bereits Forscher in Norwegen berichtet: Pal Andre Holme vom Universitätsklinikum Oslo hatte gesagt, er vermute, dass die Bildung der Gerinnsel über eine starke Immunantwort und dabei entstehende Antikörper laufen könnte. Diese könnten an die Blutplättchen andocken und diese aktivieren. Experten betonen, dass solche Ideen zum möglichen Ablauf bisher rein spekulativ sind.

Hoffnung auf schnelle Behandlung

Zugleich machten die Greifswalder Forscher Hoffnung darauf, dass sich die Impfreaktion mit einem gängigen Medikament kontrollieren und eindämmen lässt. Laut Grainacher lässt sich die ungewünschte und gefährliche Impfreaktion mit einem Test auf bestimmte Moleküle erkennen. Tests und eine etwaige Behandlung seien aber nur sinnvoll, wenn es entsprechende Anzeichen für eine solche Thrombose gebe.

Fälle von Hirnvenenthrombosen in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung hatten zum zeitweisen Stopp der AstraZeneca-Impfungen geführt. Hinweise darauf, dass die Impfungen tatsächlich die Vorfälle verursachten, hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA nicht gefunden. Sie bekräftigte am Donnerstag die Sicherheit des Impfstoffs.

Dieser soll nun mit der Warnung versehen werden, dass er in seltenen Fällen Hirnvenenthrombosen bei Frauen unter 55 Jahren verursachen könnte. Die Impfungen in Deutschland sollten am Freitag wieder aufgenommen werden. In einigen Ländern, etwa in Frankreich, wird der Impfstoff künftig nur noch für Menschen ab 55 eingesetzt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. März 2021 um 10:54 Uhr in den Nachrichten.