Spritzen liegen neben einer Ampulle mit dem Impfstoff von AstraZeneca. | EPA

Bund-Länder-Beschluss AstraZeneca-Vakzin wird freigegeben

Stand: 06.05.2021 19:03 Uhr

In Deutschland können sich künftig alle Erwachsenen in ihrer Arztpraxis mit AstraZeneca impfen lassen, sofern aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht: Bund und Länder haben die Priorisierung aufgehoben.

Die Menschen in Deutschland können sich in ihrer Arztpraxis künftig ohne Rücksicht auf die gültige Vorrangliste mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen. Bund und Länder beschlossen, die Priorisierung bei diesem Vakzin vollständig aufzuheben, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Berlin mitteilte.

"Das heißt, dass beim Impfen in den Arztpraxen die Ärzte entscheiden, wer jetzt wann mit dem Impfen dran ist", sagte Spahn in Berlin. Es gehe jetzt darum, "mehr pragmatische Flexibilität auch walten lassen zu können".

Auch soll die Zweitimpfung nicht mehr zwingend erst nach zwölf Wochen erfolgen, sagte der CDU-Politiker. Es liege dann im Ermessen des Arztes, wann der vollständige Impfschutz eintrete.

Für die Impfstoffe neben AstraZeneca gilt nach dem Beschluss weiterhin die Impfreihenfolge, nach der besonders gefährdete Gruppen zuerst immunisiert werden. In den meisten Bundesländern wird derzeit schon die letzte Priorisierungsgruppe 3 geimpft.

Beim Impfstoff von AstraZeneca war nach seltenen Fällen von Hirnvenenthrombosen nach der Impfung die Impfempfehlung geändert worden. Das Mittel soll vor allem an über 60-Jährige verabreicht werden, weil die seltene Nebenwirkung vor allem bei Jüngeren und dabei vor allem Frauen aufgetreten war. Auch Jüngere können sich aber nach Rücksprache mit dem Arzt mit AstraZeneca impfen lassen. Einige Bundesländer hatten die Priorisierung für den Impfstoff bereits aufgegeben.

Spahn: BioNTech-Impfungen für Kinder über 12 vorbereiten

Zudem stellen sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern laut Spahn darauf ein, dass der Impfstoff von BioNTech/Pfizer im Juni in der Europäischen Union ab zwölf Jahren zugelassen wird. Spahn sagte, wenn nichts Unvorhergesehenes geschehe, könne die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) im nächsten Monat eine entsprechende Entscheidung treffen.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hätten vereinbart, dass sich die Länder bereits jetzt an die Erarbeitung von Impfkonzepten für die Jüngeren machen, um jedem 12- bis 18-Jährigen bis Ende August ein Impfangebot machen zu können, sollte die Zulassung im Juni kommen. Das Mittel von BioNTech ist derzeit für Menschen ab 16 Jahren zugelassen.

Die Impfkampagne in Deutschland dürfte zudem weiter an Fahrt gewinnen, weil Geimpfte und Genesene wahrscheinlich schon ab dem Wochenende wieder mehr Rechte eingeräumt bekommen. Eine entsprechende Verordnung der Bundesregierung beschloss der Bundestag am Donnerstag. Die Zahl der Neuinfektionen ging unterdessen weiter zurück.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Mai 2021 um 18:00 Uhr.