Die Hausärztin Birgitt Lucas verabreicht einem Patienten die erste Impfung gegen Covid-19. Stadt und Landkreis Hof (Bayern) möchten im Rahmen eines Pilotprojektes Corona-Impfungen durch Hausarztpraxen erproben.  | dpa

Hausärzte zu AstraZeneca-Pause "Wird nicht leicht, Vertrauen wieder aufzubauen"

Stand: 18.03.2021 08:54 Uhr

Sollte der AstraZeneca-Impfstopp aufgehoben werden, fordert der Hausärzteverband eine schnelle Einbindung der Praxen. Die Impfung durch vertraute Ärzte sei dann wichtig. Unterdessen werben mehrere ostdeutsche Länderchefs für Sputnik V.

Mit Spannung blicken die EU-Staaten heute nach Amsterdam: Die dort ansässige Europäische Arzneimittelbehörde EMA will entscheiden, ob der AstraZeneca-Impfstoff gegen das Coronavirus weiter verwendet werden soll. Sein Gebrauch war in Deutschland und anderen Ländern nach einigen Fällen von Blutgerinnseln in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zu Impfungen ausgesetzt worden. Am Freitag wollen Bund und Länder dann auf einem "Impfgipfel" das weitere Vorgehen beraten.

Im Fall der Aufhebung des Impfstopps für das Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers fordern Hausärzte, das Mittel rasch in ihren Praxen verabreichen zu dürfen. "Auch wenn sich zeigt, dass der Impfstoff für die meisten unbedenklich ist, wird es leider nicht gerade leicht werden, das Vertrauen wieder aufzubauen", sagte der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Dies wird eines enormen Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient bedürfen." Im Impfzentrum werde das nicht möglich sein.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich bereits darauf geeinigt, Mitte April mit dem Impfen in Praxen zu starten. Endgültige Beschlüsse sollen aber erst am Freitag gefasst werden.

Laschet verteidigt Spahn

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn war für seine Entscheidung, die Impfung mit AstraZeneca auszusetzen, zunächst heftig kritisiert worden. Zuletzt regte sich von vielen Seiten aber auch Unterstützung für den CDU-Politiker. Spahn habe keine andere Möglichkeit gehabt, als den Empfehlungen des Paul-Ehrlich-Instituts zu folgen, sagte CDU-Chef Armin Laschet in der ARD-Sendung maischberger. die woche.

Das für die Impfstoff-Sicherheit zuständige Institut hatte wegen möglicher Gesundheitsrisiken dazu geraten, Impfungen mit dem AstraZeneca-Stoff auszusetzen. Der Bundesvorsitzende des Virchowbundes der niedergelassenen Ärzte, Dirk Heinrich, sagte der "Berliner Zeitung": "Der Stopp zeigt, dass unser System funktioniert."

Eingeschränkt Zulassung denkbar?

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Frank Bergmann, sagte, er halte künftig auch eine eingeschränkte Zulassung für den AstraZeneca-Impfstoff für möglich. "Die Experten prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen Einnahme von Verhütungsmitteln, Rauchen und Impfen gibt. Möglicherweise haben sich hier Risiken potenziert. Dann könnte es vielleicht eine Zulassung mit Einschränkungen geben - etwa nur für bestimmte Altersgruppen oder beispielsweise ohne gleichzeitige Nutzung der Pille", sagte Bergmann der "Rheinischen Post".

Ostdeutsche Länderchefs werben für Sputnik V

Mehrere ostdeutsche Ministerpräsidenten warben unterdessen für den russischen Impfstoff Sputnik V. "Russland ist ein großes Land der Wissenschaft, und ich habe nicht die geringsten Zweifel, dass die dortige Wissenschaft imstande ist, einen leistungsfähigen Impfstoff herzustellen", sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Der Impfstoff sollte zugelassen werden." Schließlich habe Deutschland bei den Impfstoffen Kapazitätsprobleme, so der CDU-Politiker.

Sachsen-Anhalts Regierungschef und CDU-Parteikollege Reiner Haseloff verwies wie Kretschmer darauf, dass über eine Zulassung zunächst die EMA zu entscheiden habe. "Grundsätzlich aber gilt: Im Kampf gegen Corona ist uns jeder Impfstoff willkommen, der sicher ist und wirkt und uns so hilft, die Pandemie zu überwinden", sagte er den Funke-Zeitungen. "Wenn es um die Gesundheit der Menschen geht, sollte die Herkunft keine Rolle spielen. Schon als Kind bin ich mit einem russischen Impfstoff gegen Kinderlähmung immunisiert worden. Ich habe da keine Probleme."

Ramelow will Kontakte nach Russland nutzen

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte den Funke-Blättern: "Ich wünsche mir seit langem viel mehr Druck von der Bundesregierung, dass wir mehr alternative Vakzine zugelassen bekommen." Die Abhängigkeit von AstraZeneca mache die Impfstrategie angreifbar, so der Linken-Politiker. "Es ist deshalb wichtig, dass endlich das Thema Sputnik V mit Nachdruck bearbeitet wird. Ich höre schon seit Wochen, dass Unterlagen fehlen. Wenn das wirklich so sein sollte, dann muss man das mit Russland rasch klären." Er selbst wolle seine Kanäle nach Russland nutzen, um dabei zu helfen, sagte Ramelow. "Ich will keine politische Zulassung. Aber ich will auch keine politische Ablehnung."

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 18. März 2021 um 05:38 Uhr.