Feuchtwiese bei Lehde in Brandenburg | Bildquelle: dpa

Tag der Artenvielfalt Lebendige Wiesen, tote Äcker

Stand: 22.05.2020 05:00 Uhr

Blühende Wiesen und Weiden gehören in Deutschland zu den artenreichsten Lebensräumen. Doch es werden immer weniger - auch weil weiter Grünflächen in Ackerland umgewandelt werden.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Die Neuzeller Niederung im Odertal in Brandenburg, direkt an der polnischen Grenze: Am Himmel drehen Greifvögel und Störche ihre Runden, unten Wiesen, so weit das Auge reicht. Viele verschiedene Grüntöne - von hell bis fast braun, dazwischen Blüten - gelb, rosa, weiß. "Das ist ein artenreiches Feucht-Grünland. Und das ist schon was Besonderes", sagt Ines Friedel von der Naturschutzbehörde im Landkreis Oder-Spree.

Denn von den vielen unterschiedlichen Pflanzen leben viele unterschiedliche Insekten, von denen wieder andere Tiere - Vögel vor allem. Friedel weiß, was hier alles brütet. "Mehrere Kiebitze, zwei Paare Bekassine und wir haben Schafstelzen hier, was noch? Grauammern." Sie stehen allesamt auf der Liste der gefährdeten Tierarten.

Artenvielfalt in Deutschland gefährdet
tagesschau 12:00 Uhr, 22.05.2020, A. Zender/S. Lenhardt, SWR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Acker statt Feuchtwiese

Artenreiche Wiesen und Weiden gehören zum Wertvollsten, was Deutschland ökologisch zu bieten hat - und sie verschwinden. Weil sie entweder so oft gedüngt und gemäht werden, dass die Vielfalt verloren geht - oder sie werden gleich umgepflügt und zu Äckern gemacht. Auch im Landkreis Oder-Spree ist kürzlich eine große wertvolle Wiesenfläche auf diese Weise verschwunden.

Maisacker statt Feuchtwiese - für die Natur ist so etwas dramatisch. "Unter Mais ist es eigentlich tot. Da leben vielleicht die Wildschweine ganz gut drin. Für die Vögel ist die Fläche verloren, und auch für viele andere Tiere. Unter anderem auch für die Insekten", so Friedel.

Aber genau dahin geht der Trend. Gegen Deutschland läuft deshalb schon ein Vertragsverletzungsverfahren der EU. Und der Bericht zur Lage der Natur, diese Woche vorgestellt, bestätigt den Trend. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, sagt: "Artenreiche Grünland-Lebensräume verzeichnen weiter starke Rückgänge. Das ist ein Trend, der über bisher alle vier Fauna-Flora-Habitat-Berichte hinweg ungebrochen ist." Und damit seit Jahrzehnten.

Agrarpolitik steuert

Hauptursache ist die immer intensivere Landwirtschaft. Umweltministerin Svenja Schulze fordert deshalb, die europäische Agrarpolitik zu verändern: Subventionen für die Bauern nicht mehr vor allem nach Fläche - wie heute - sondern vor allem danach, wie sie diese Fläche bewirtschaften. "Das Geld soll so eingesetzt werden, dass die Landwirtinnen und Landwirte für das entlohnt werden, was sie für die Gesellschaft leisten. Und dazu gehört natürlich zentral der Naturschutz."

Denn Bauern haben ja nichts gegen Wiesenbrüter - sie machen, was mit der aktuellen Agrarpolitik wirtschaftlich sinnvoll ist. Gegen die Bauern, im Konflikt mit ihnen, werden sich die Wiesen kaum erhalten lassen.

In Neuzelle in Brandenburg arbeiten Naturschützer und Landwirte schon lang eng zusammen. Wo viele Vögel brüten, mäht der Bauer erst später, damit die Gelege nicht zerstört werden. "Das ist schon ein großes Entgegenkommen - was wir sehr sehr zu schätzen wissen", sagt Ines Friedel von der Naturschutzbehörde - unterbricht sich, und zeigt nach oben. "Guck mal, die kommen her!" Gleich drei Störche, ganz tief im Landeanflug. "Das als Foto, das wär klasse. Schnell! Jetzt, schnell!" Drei große Schatten gleiten über den Boden - fünfzig Meter weiter gehen die Vögel dann auf Nahrungssuche in der blühenden Wiese.

Tag der Artenvielfalt - in Deutschland verschwinden die Wiesen
Alex Krämer, ARD Berlin
21.05.2020 19:54 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Mai 2020 um 08:38 Uhr.

Darstellung: