Eine Frau sitzt in einer Kastanienallee.  | Bildquelle: dpa

Forscher suchen Alternativen So sieht der Stadtbaum der Zukunft aus

Stand: 25.07.2019 04:18 Uhr

Forstwissenschaftler und Ökonomen suchen nach Stadtbäumen, die dem Klimawandel standhalten. Klar ist: Der neue Baum muss hitzebeständig und genügsam sein.

Von Alice Thiel-Sonnen und Werner Eckert, SWR

Er soll 39 Grad aushalten können, eine Weile ohne Wasser auskommen, standfest sein und seine Wurzeln sollen nicht viel Platz brauchen: Das ist der Zukunftsbaum für die Stadt.

Innenstädte sind im Schnitt ein bis zwei Grad Celsius wärmer als das Umland - an heißen Tagen bis zu zehn Grad. Der allgemeine Klimawandel treibt die Temperaturen weiter nach oben. Das ist Gift für jene Baumarten, die derzeit als Stadtbäume bevorzugt werden: Platane, Linde, Ahorn und Kastanie. Diese vier alleine machen etwa 50 Prozent des Bestands in den Städten aus. Allesamt halten sie aber häufigere Trocken- und Hitzeperioden nicht so gut aus.

Die bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau hat fast ein Jahrzehnt lang an drei Standorten Alternativen untersucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass vor allem für Städte in den wärmeren Regionen Deutschlands Arten wie die Purpur- und die Manna-Esche, Eisenholzbaum, Zerreiche, Ungarische Eiche oder italienischer Ahorn als Zukunftsbäume in Frage kommen. Oft sind das südosteuropäische Arten. Auch der Guttaperchabaum aus China, eine Gummibaumart, mag die Sonne und nimmt längere Trockenheit gelassen.

Bislang werden meist Winter- oder Sommerlinden gepflanzt. Aber eine Alternative könnte auch die Silber-Linde sein. Scheint ihr die Sonne zu heftig auf die Krone, dann dreht sie einfach ihre Blätter und die eher silbrige, filzige Unterseite reflektiert die Sonnenstrahlen zurück. Sie hat also sowas wie einen eingebauten Sonnenschirm.

Vertragen sich hiesige Insekten und Vögel mit den neuen Arten?

Das Forschungsprojekt "Stadtgrün 2021" in Bayern hat eine ganze Liste mit brauchbaren Kandidaten erstellt und festgehalten, dass der "Einheits-Stadtbaum" der Vergangenheit ein großer Fehler war und es eigentlich große regionale Unterschiede geben sollte. Das wurde bislang völlig ignoriert.

Aufforstung eines Waldes
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Wirtschaftsfaktor Wald: Arbeiter beim Aufforsten.

Eine weitere wichtige Erkenntnis lautet: Auch innerhalb einer Stadt hilft mehr Vielfalt. Denn die starke Konzentration auf wenige Arten schwächt die Flora in der Stadt. Die Kastanienminiermotte etwa hat dann leichtes Spiel. Müssen die weißen Rosskastanien ihretwegen gefällt werden, ist in ganzen Straßenzügen alles Grün verschwunden.

Die Forscher plädieren dafür, eine Mischung aus heimischen und südosteuropäischen Arten zu pflanzen. Denn noch ist nicht völlig klar, wie diese temperaturangepassten, aber eigentlich ja standortfremden Arten sich auf das ökologische Gefüge auswirken. Erste Auswertungen der bayerischen Forscher deuten aber darauf hin, dass die Insektenwelt offenbar auch in ihnen eine Heimat findet.

Die Fichte: anfällig, aber profitabel für die Forstwirtschaft

Eine ähnliche Debatte gibt es über die deutschen Wälder. Auch wenn die Temperaturen dort im Schnitt niedriger sind. Die Fichte wurde aus Ertragsgründen oft auch an ungünstigen, tiefliegenden Standorten gepflanzt. Als Flachwurzler verträgt sie Trockenphasen schlechter.

Die Sonne scheint durch einen Blätterwald aus Buchen. | Bildquelle: dpa
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Förster steigern den Anteil der Laubbäume, um den Wald gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen.

Das ist ein Grund, warum sich in den vergangenen beiden Jahren der Borkenkäfer ausbreiten konnte. Die Fichte macht 25 Prozent des deutschen Waldbestandes aus. Noch einmal so viel ist mit der Waldkiefer bewachsen. Die kann allerdings sehr viel besser mit Trockenheit leben.

Buchen weichen Douglasien und Robinien

Auch hier ist die wichtigste Anpassung: Vielfalt. Die Förster bauen Nadelwälder zu Mischwäldern um. Auch dabei stellt sich die Artenfrage. Denn von Natur aus waren Deutschlands Wälder sehr dominiert von der Rotbuche. Die braucht aber ebenfalls viel Wasser. Die Weiß- und die Hainbuche sind besser geeignet - an vielen Standorten auch die Traubeneiche oder verschiedene Ahornarten.

Für die Forstwirtschaft ist aber auch wichtig, womit sich Geld verdienen lässt. Auch hier kommen bisher nicht heimische Arten ins Spiel. Die Douglasie etwa wäre aus der Sicht der Forstwirtschaft interessant, auch die Robinie und die Roteiche. Ebenso wäre die Edelkastanie gut für einen Wald im Klimawandel geeignet. Auch sie ist eigentlich eine südländische Art, wurde aber schon von den Römern beispielsweise in die Pfalz gebracht.

Was solche Neophyten, also neu in ein Gebiet eingebrachte Arten, für die Ökosysteme bedeuten, ist nicht immer klar abzusehen. Der ursprüngliche, stark von Buchen dominierte deutsche Wald, war eher artenarm.

Über dieses Thema berichtete BR5 Aktuell am 24 Juli 2019 um 14:36 Uhr.

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