In der Laib und Seele- Ausgabestelle in Berlin verteilen ehrenamtliche Mitarbeiter Essen. | dpa

Folgen der Coronakrise 13,8 Millionen Menschen armutsgefährdet

Stand: 29.06.2022 17:56 Uhr

Durch die Coronakrise hat sich Armut so schnell ausgebreitet wie noch nie, zeigt der neue Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Gezielte Maßnahmen bei Grundsicherung, Wohngeld und BAföG seien notwendig.

Die Zahl der von Armut bedrohten Menschen in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Das zeigt der neue Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Ein zielgerichtetes Entlastungspaket für einkommensarme Haushalte sei notwendig, sagte der Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Verbands.

Dem Bericht zufolge leben derzeit 13,8 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Das sind 600.000 mehr als vor der Corona-Pandemie.

Die Inflation könnte die Lage verschärfen

Jedes Jahr veröffentlicht der Paritätische Wohlfahrtsverband einen solchen Bericht, in dem die Daten des Statistischen Bundesamts zur sogenannten Armutsgefährdungsquote ausgewertet werden. Die Daten wurden bereits im Mai bekannt gegeben.

"Die Befunde sind erschütternd, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie schlagen inzwischen voll durch", so Schneider. Armut habe sich noch nie so rasant ausgebreitet. Die aktuell hohe Inflationsrate könne die Lage weiter verschärfen, befürchtet der Verband.

Neues Maßnahmenpaket nötig

Die Armutsgefährungsquote gibt an, wie viele Menschen mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen müssen. Regional gibt es große Unterschiede: In Bayern und Baden-Württemberg liegt die Quote unter 14 Prozent, in Bremen dagegen bei 28 Prozent.

Das Entlastungspaket der Bundesregierung seien ungerecht und reichten nicht aus, so der Verband. "Pandemie und Inflation treffen eben nicht alle gleich", sagte Schneider. Nur zwei Milliarden Euro seien gezielt bei einkommensarmen Haushalten angekommen - von insgesamt 29 Milliarden Euro.

Ein neues Maßnahmenpaket sei deshalb notwendig. Insbesondere Grundsicherung, Wohngeld und BAföG müssten darin berücksichtigt werden, so Schneider.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Juni 2022 um 18:00 Uhr.