Ein Flaschensammler greift am Ku'damm in eine Mülltonne | Bildquelle: dpa

Armutsbericht Viergeteiltes Land

Stand: 12.12.2019 08:31 Uhr

Die Armut in Deutschland ist insgesamt leicht zurückgegangen, zeigt der Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands. Doch die Kluft zwischen wohlhabenden und ärmeren Regionen ist gewachsen - nicht nur zwischen Ost und West.

Der Paritätische Gesamtverband sieht wachsende Unterschiede zwischen Wohlstands- und Armutsregionen in Deutschland. "Der Graben verläuft längst nicht mehr nur zwischen Ost und West", sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider anlässlich der Vorstellung des "Armutsberichts 2019" laut Mitteilung des Verbands.

"Trotz eines erfreulichen Rückgangs der bundesweiten Armutsquote auf 15,5 Prozent zeichnen sich besorgniserregende Entwicklungen und neue Problemregionen insbesondere in Westdeutschland ab", heißt es in dem Bericht. Bei genauerer Betrachtung zeige sich Deutschland viergeteilt. Den "wohlhabenden" Ländern Bayern und Baden-Württemberg mit einer Armutsquote von zusammen 11,8 Prozent, stünden Nordrhein-Westfalen mit 18,1 Prozent und die ostdeutschen Bundesländer mit 17,5 Prozent gegenüber. Dazwischen lägen die weiteren Regionen Westdeutschlands mit einer Armutsquote von zusammen knapp 16 Prozent. Die höchste Armutsquote habe Bremen mit 22,7 Prozent.

Paritätischer Armutsbericht 2019
tagesschau 17:00 Uhr, 12.12.2019, Griet von Petersdorff, RBB

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Arm oder armutsgefährdet?

Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Der Bericht des Paritätischen stützt sich auf den Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes. Eingerechnet wird das gesamte Nettoeinkommen des Haushalts inklusive Wohngeld, Kindergeld, Kinderzuschlag oder sonstiger Zuwendungen. Die Armutsschwelle für einen Single betrug 2018 beispielsweise 1035 Euro, für einen Paarhaushalt mit zwei Kindern unter 14 Jahren 2174 Euro (Alleinerziehende: 1.656 Euro).

Kunden stehen vor einer Tafel in Essen (Archivbild vom Februar 2018) | Bildquelle: dpa
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Kunden stehen vor einer Tafel in Essen (Archivbild vom Februar 2018)

Anders als andere Untersuchungen, die bei der 60-Prozent-Einkommensschwelle die Begriffe "Armutsgefährdung" oder "Armutsrisikoquote" verwenden, spricht der Paritätische Verband ausdrücklich von Armut: Die Bezeichnung "Armutsgefährdung" sei eine Beschönigung, "angesichts der Einkommen, um die es geht und der sich dahinter real verbergenden massiven Armutsprobleme".

Weniger Armut dank guter Konjunktur

Bundesweit ging die Armutsquote im vergangenen Jahr um 0,3 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent zurück. Rechnerisch mussten damit 210.000 Menschen weniger als im Vorjahr unterhalb der Armutsgrenze leben. Die Quote ging dem Bericht zufolge erstmals seit 2014 zurück, lag aber trotz der jahrelang guten Konjunktur fast einen Prozentpunkt höher als vor zehn Jahren.

Hauptgrund für den bundesweiten Rückgang der Armut ist laut dem Bericht des Paritätischen eine positive Entwicklung in den drei bevölkerungsreichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern. Auch in sieben weiteren Bundesländern sank die Armutsquote leicht, sie stieg dagegen in Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Armutsbericht: Paritätischer Wohlfahrtsverband sieht wachsende Kluft
Claudia Plaß, ARD Berlin
12.12.2019 09:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Dezember 2019 um 09:00 Uhr.

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