Frank-Walter Steinmeier und Jens Arlt stehen bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes vor einer Deutschlandflagge. | EPA

Bundesverdienstkreuz für Brigadegeneral Arlt für Kabul-Evakuierungsmission geehrt

Stand: 17.09.2021 18:07 Uhr

Tausende Menschen flog die Bundeswehr nach der Taliban-Machtergreifung aus Kabul aus - ein gefährlicher Einsatz unter der Leitung von Brigadegeneral Arlt. Der hat nun das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Von Birgit Schmeitzner, ARD-Hauptstadtstudio

Zwei Orte, zwei Welten - durch eine Feierstunde verbunden. Die Stimmung im großen Saal im Schloss Bellevue ist feierlich, aber gefüllt mit Gedanken an den Flughafen Kabul, an die beiden gefährlichen Wochen im August, in denen die Bundeswehr mehr als 5300 Menschen ausflog.

Birgit Schmeitzner ARD-Hauptstadtstudio

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will danke sagen - allen Beteiligten, die die Einsatzmedaille der Bundeswehr bekommen werden. Aber vor allem einem: Brigadegeneral Jens Arlt, der die Evakuierungsmission geleitet hat. "Wir wären mit ihm in die Hölle gegangen und hätten den Teufel herausgeholt - und wir hätten das auch geschafft" - das sagte einer der Menschen, die mit Arlt in Kabul waren.

Mehr Lob und Anerkennung, sagt Steinmeier, könne man sich von der Truppe nicht wünschen. Arlt stehe für das Beste der Bundeswehr, er habe sein Team durch zwei extrem harte Wochen geführt, sich selbst am wenigsten geschont und alle trotz größter Gefahren unversehrt wieder nach Hause gebracht. Der Brigadegeneral steht laut Steinmeier wie kein anderer für einen gelungenen Einsatz, deshalb bekommt er das Verdienstkreuz erster Klasse.

Arlt spricht von Teamleistung

Arlt betont, es sei eine Teamleistung gewesen, er sehe den Orden deshalb als Auszeichnung für alle. Dem General ist bei seiner frei gehaltenen Dankesrede anzumerken, wie ihn die Lage in Afghanistan umtreibt. Er erzählt davon, dass er vor 17 Jahren das erste Mal in Afghanistan war, dass ihn das Land auch jetzt nicht loslassen werde. "Das ist eine unglaubliche Zeit, ich war viel im Land, ich habe viele Sicherheitskräfte mit aufbauen können und dürfen und stelle natürlich auch persönliche Fragen."

Arlt greift damit eine Mahnung des Bundespräsidenten auf. Laut Steinmeier muss die Politik Lehren ziehen aus den 20 Jahren Einsatz in Afghanistan und dem schnellen Zusammenbruch von Regierung und Sicherheitskräften. "Die Erfahrung aus Afghanistan wird dem Westen, wird uns Deutschen, der deutschen Politik und der Bundeswehr noch lange in den Kleidern hängen. Wir sollten all die schmerzhaften Fragen nicht in erster Linie schnell, sondern ehrlich und gründlich beantworten."

Steinmeier äußert zudem die Hoffnung, dass die große Aufmerksamkeit für den riskanten Einsatz in Kabul den Blick der Gesellschaft auf die Bundeswehr verändert. "Wachere Augen" wünscht sich der Bundespräsident, mehr Verständnis dafür, was Soldatinnen und Soldaten leisten und dass am Ende auch deren Leben auf dem Spiel stehe. Die Armee habe wieder einmal gezeigt, was sie kann, sagt Steinmeier. Dafür gebühre ihr die Anerkennung der Gesellschaft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. September 2021 um 17:00 Uhr.