Tom Buhrow spricht vor einer Videowand im Rahmen des ARD-Zukunftsdialogs. | WDR/Annika Fuߟwinkel

ARD-Zukunftsdialog Digitaler, diverser und hintergründiger

Stand: 25.11.2021 10:19 Uhr

Eine nutzerfreundlichere Mediathek, mehr Programme für die ganze Familie - das sind einige der Zuschauerwünsche des ARD-Zukunftsdialogs. Diese Ideen sollen nun auch umgesetzt werden.

Von Birgit Virnich, WDR

"So wie sich Redaktionen nach ihren Sendungen in Kritikrunden austauschen, so haben wir das jetzt für das gesamte Programm der ARD mit Zuschauerinnen und Zuschauern gemacht", sagt der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow. "Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ARD-Zukunftsdialogs haben uns sehr klar gesagt, was sie von uns erwarten und was sie sich wünschen. Es war ein sehr wertschätzendes Feedback."

Birgit Virnich

Zuschauer wünschen sich "mehr Programme für die Familie"

Die Zuschauer schätzen die regionale Berichterstattung der ARD, wünschen sich aber auch "mehr Programme für die ganze Familie". "Die Quizshows sind nett und man kann sich berieseln lassen, aber Bildung ist eine zentrale Aufgabe der ARD, gerade jetzt in Zeiten der Pandemie", sagt Michael Bauer aus Butzbach bei Frankfurt. "Die ARD sollte eine Plattform schaffen in puncto Bildung, die für jeden zugänglich ist", so sein Vorschlag. Wobei er Serien wie "Weißensee" oder "Charité" auch als Bildungsfernsehen betrachtet, weil sie über Fortschritte in der Wissenschaft oder das Leben in der ehemaligen DDR aufklären.

"Programme müssten leichter auffindbar sein"

Ein weiteres Thema, das den Zuschauern am Herzen lag: Die Auffindbarkeit der Inhalte in der Mediathek, die für viele immer wichtiger wird. "Die Programme müssten leichter auffindbar sein und für eine längere Zeit abrufbar", sagt der 30 Jahre alte Ingenieur Clemens Glaser aus Dresden. Die ARD produziere so viele Schätze, aber manchmal müsse man ein Schatzsucher sein, um sie zu finden.

"Die Mediathek ist zentral für die Zukunft der ARD", sagt Buhrow. "Wenn man zehn Jahre nach vorne schaut, werden Media- und Audiothek noch viel wichtiger sein als heute." Er sei überzeugt, dass die ARD mit dem Ausbau der Mediathek und der Verbesserung der Suchfunktionen junge Menschen zurückgewinnen könne, die schon lange nicht mehr linear gucken. "Am Ende sollen Nutzer nicht in verschiedenen Mediatheken gucken müssen, sondern alles unter demselben Dach auffinden können."

Buhrow sieht klaren Sendeauftrag

Für Buhrow ergibt sich aus dem Zukunftsdialog ein klarer Sendeauftrag. Inhaltlich hat sich die ARD vorgenommen, stärker auf Nachhaltigkeit und Hintergrundberichterstattung zu setzen, um die großen Zusammenhänge der Welt zu beleuchten. Es soll daher mehr Dokumentationen in der ARD-Mediathek und im Ersten geben, etwa in den Rubriken Ausland und Wissen. Außerdem sollen neue Erklärformate entwickelt werden, um Themen wie Klima und Nachhaltigkeit zu vertiefen.

Die Vielfalt der Gesellschaft und auch der ländliche Raum sollen stärker abgebildet werden - und dort lebende, insbesondere auch jüngere Menschen häufiger zu Wort kommen. Die ARD testet außerdem ein Dialogformat mit Menschen mit Migrationsgeschichten, um besser mit dieser Zielgruppe ins Gespräch zu kommen. Und es soll mehr Angebote in leichter Sprache geben, die vor allem zu den Europa- und Bundestagswahlen auf tagesschau.de veröffentlicht werden.

Der öffentlich-rechtliche Sender der Zukunft

Auf Social-Media-Kanälen der ARD soll der Austausch und Dialog mit den Nutzern ausgebaut werden. Der Senderverbund entwickelt für 2022 einen ARD-Check für Social Media. In diesem Live-Format soll sich das Publikum direkt und unkompliziert mit ARD-Vertretern austauschen können - und so der Dialog mit dem Publikum fortgesetzt werden. Außerdem werden die Programmmacher der ARD die Meinungen der Bürgerinnen und Bürger stärker aufgreifen. Das Publikum soll an relevanten Diskussionen beteiligt werden. Es werde noch geprüft, auf welchen Plattformen und mit welchen Tools das möglich ist. 

"Wir machen etwas aus den Ideen"

"Uns ist wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger am Ende auch sehen: Wir von der ARD haben nicht nur zugehört, sondern wir machen auch etwas aus den Ideen", sagt Buhrow. "Grundsätzlich ist Dialog etwas, was gerade die jüngere Generation durch die Sozialen Medien gewöhnt ist, und wir werden jetzt auf unseren eigenen Plattformen dafür sorgen, dass dieser Dialog weiter stattfindet."

"Die Themen, die den Bürgerinnen und Bürgern wichtig waren, haben uns darin bestärkt, unseren Reformkurs noch konsequenter zu verfolgen", sagt Buhrow. So fällt der ARD-Zukunftsdialog in eine Zeit, in der eine umfassende Programmreform von Das Erste und der ARD-Mediathek angeschoben worden ist. Mit der neuen Selbstverpflichtung wurde nun eine Messlatte für die kommenden Jahre gelegt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. November 2021 um 12:00 Uhr.