Schweinehälften hängen aufgereiht in einem Schlachthof in Niedersachsen. | Bildquelle: dpa

Arbeitsschutz in Fleischindustrie Behörden stellen fast 1900 Mängel fest

Stand: 08.07.2020 09:58 Uhr

Corona macht es möglich: Das NRW-Gesundheitsministerium hat im Mai den Arbeitsschutz unter anderem in der Fleischindustrie und bei Erntehelfern untersucht. Die Ergebnisse sind deutlich.

Von Christoph Ullrich

Ohne die Corona-Pandemie wären diese Ergebnisse so nicht zu erheben gewesen. Wegen der außerordentlichen Lage konnte das NRW-Gesundheitsministerium im Mai den Arbeitsschutz in ausgewählten Bereichen überprüfen. Unter anderem in der Fleischindustrie und bei den Saisonarbeitern in der Landwirtschaft.

Gravierende Verstöße beim Arbeitsschutz

Die Ergebnisse sind seit Mittwoch (08.07.2020) öffentlich einsehbar und sie sind in Teilen dramatisch. Vor allem in der Fleischindustrie. Dort wurden in 650 Unterkünften, in denen 5.300 Werkarbeiter untergebracht waren, 1.863 teils gravierende Verstöße festgestellt.

Die Liste der Extremfälle liest sich gruselig: Von "Schimmelpilzbefall, Einsturzgefahr, undichte Dächer, katastrophale Sanitäreinrichtungen, Ungezieferbefall und Brandschutzmängel" ist laut des Papiers die Rede. Die Ergebnisse "verdeutlichen den Änderungsbedarf der aktuellen bunderechtlichen Rechtslage", heißt es in dem Bericht des Gesundheitsministeriums.

Problem bleibt der Umgang mit Werkverträgen

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) kritisierte wegen der Ergebnisse erneut die Zustände in der Fleischindustrie. "Das macht deutlich, dass das System krank ist, dass es so nicht bleiben kann", sagte er im WDR-Interview.

Die NRW-Landesregierung verlangt vom Bund eine Änderung bei der Werkverträgen, mit deren Hilfe meist südosteuropäische Mitarbeiter zu teilweise prekären Konditionen beschäftigt und untergebracht werden können.

Deutlich bessere Bilanz bei den Erntehelfern

Ein anderes Bild ergibt sich bei den Landwirtschaftsbetrieben und wie dort die saisonalen Erntehelfer untergebracht sind. Hier gab es in 250 Betrieben nur in drei Fällen gravierende Mängel.

Darunter auch ein Betrieb aus Bornheim, der unter Insolvenzverwaltung steht. Ansonsten habe man 170 Beanstandungen gefunden, die aber schnell zu beseitigen gewesen sein sollen. Außerdem habe man einige Beispiele gefunden, bei denen "sehr vorbildlich Hygieneschutzmaßnahmen vorbereitet waren."

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Juli 2020 um 10:01 Uhr.

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