Eine Frau hält einen Teller mit Nudeln. | Bildquelle: dpa

Befragung von Haushalten Jeder dritte Arbeitslose spart am Essen

Stand: 30.01.2019 12:02 Uhr

Einer von drei Arbeitslosen in Deutschland gibt an, sich nicht regelmäßig vollwertige Mahlzeiten leisten zu können. Die Linkspartei fordert politische Konsequenzen: Sanktionen für Hartz-IV-Empfänger müssten wegfallen.

In Deutschland gibt jeder dritte Arbeitslose auf Nachfrage an, sich keine regelmäßigen vollwertigen Mahlzeiten leisten zu können - das sind 7,5 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 16 Jahren.

Die Zahlen stammen aus der EU-Datenbank SILC, die das Statistische Bundesamt auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag ausgewertet hatte. Zur Erhebung waren Haushalte befragt worden, die Angaben beruhen auf einer Selbsteinschätzung der Betroffenen.

Kein Geld für Urlaub, Heizen nur so viel wie nötig

80 Prozent der Arbeitslosen sind demnach nicht in der Lage, unerwartete Ausgaben in Höhe von 1000 Euro zu decken, wenn etwa eine Autoreparatur oder der Kauf einer neuen Waschmaschine ansteht. Insgesamt geht es 21 Millionen Menschen oder 30,4 Prozent der Deutschen so.

Mehr als die Hälfte der Arbeitslosen gab zudem an, sich keine Woche Urlaub außerhalb der eigenen vier Wände leisten zu können. Etwa 15 Prozent hatten Probleme, Miete und Rechnungen zu bezahlen oder ihre Wohnung angemessen zu heizen.

Betrachtet man Erwerbstätige und Arbeitslose gemeinsam, bleibt Urlaub für 16 Prozent der Bundesbevölkerung unerschwinglich. Heizen, Miete oder Rechnungen bereiten etwa fünf Prozent der Befragten Schwierigkeiten.

Linken-Expertin fordert Ende von Hartz-IV-Sanktionen

Angesichts der Zahlen fordert Sabine Zimmermann, die Sozialexpertin bei der Linkspartei, von der Bundesregierung ein umfassendes Konzept zur Armutsbekämpfung. "Armut ist in Deutschland kein Randphänomen, sondern zieht sich quer durch die Bevölkerung", sagte sie. "Was für viele selbstverständlich ist, ist für eine große Gruppe von Menschen unbezahlbar."

Es müssten bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden, etwa durch eine Erhöhung des Mindestlohns und das Ende der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverträgen. Außerdem forderte Zimmermann, Sanktionen für Hartz-IV-Bezieher zu streichen und das Rentenniveau auf 53 Prozent anzuheben.

Über dieses Thema berichtete "Brisant" am 30. Januar 2019 um 17:15 Uhr.

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