BA bestätigt neuen Datenmissbrauch Stellenangebote geschaltet, Adressen gesammelt

Stand: 10.11.2009 13:54 Uhr

Screenshot der Website der Jobbörse
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Blick auf die Internetseite der Jobbörse der Arbeitsagentur.

In der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat es erneut einen schweren Fall von Datenmissbrauch gegeben. Eine BA-Sprecherin bestätigte einen Pressebericht, nachdem eine Personalberatungsfirma aus Berlin im Online-Stellenmarkt der Arbeitsagentur mehr als 2500 unterschiedliche Stellenangebote eingestellt hatte, um die Daten von Bewerbern abzugreifen. Die Angebote richteten sich auch an Akademiker und reichten von vermeintlichen Facharztstellen über pädagogische Berufe bis hin zu Ingenieuren und Managerposten.

Riesige Dimension

Bei den fraglichen Stellenausschreibungen habe es sich um "keine realen Jobangebote gehandelt, der Anbieter war nur darauf aus, Daten von Arbeitnehmern zu sammeln", sagte die BA-Sprecherin weiter. Das sei eindeutig Missbrauch und verstoße gegen die Nutzungsbedingungen. Demnach hat es einen Missbrauch dieser Dimension in der Jobbörse der Bundesagentur noch nie gegeben.

Einer internen Prüfabteilung der BA sei das Benutzerkonto der Berliner Personalberatung wegen der ungewöhnlich hohen Zahl von Stellenangeboten aufgefallen. Deswegen habe die Vermutung nahegelegen, dass es sich nicht um tatsächliche Ausschreibungen handelte. Die fingierten Angebote seien mittlerweile gelöscht worden. Vergeblich sei versucht worden, die betreffende Firma Econsulting24 Ltd. zu erreichen. Rechtliche Schritte werde die BA jedoch nicht einleiten, weil hierfür keine Handhabe bestehe.

Das Prinzip Selbstverwaltung

In die Internet-Jobbörse werden nach Angaben der BA täglich 20.000 neue oder geänderte Angebote von Arbeitgebern eingestellt. Hierbei seien noch nicht jene Angebote eingerechnet, welche die Agentur im Auftrag von Unternehmen platziert.

Firmen können über die Webseite der BA Stellenangebote ins Internet stellen, selbst verwalten und bei Bedarf bearbeiten oder löschen. Die BA kontrolliert die Angebote mit Hilfe von Computern automatisch auf problematische Inhalte wie etwa sexistische oder rechtsradikale Begriffe. In Stichproben nehmen BA-Mitarbeiter auch einzelne auffällige Angebote persönlich unter die Lupe.

Kritik von Datenschützern

Die Bundesagentur für Arbeit war in den vergangenen Wochen wegen Mängeln beim Datenschutz in die Kritik geraten. Auch der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, bemängelte die weitgehenden Zugriffsmöglichkeiten von BA-Mitarbeitern auf Informationen wie Suchtkrankheiten oder Schulden von Arbeitslosen. Das größte Internet-Arbeitsangebot in Deutschland lade zum Missbrauch geradezu ein, hatte Schaar kritisiert.

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