200-Euro-Geldscheine | dpa

Appell an die Politik Millionäre fordern höhere Steuern

Stand: 12.06.2021 11:59 Uhr

Vermögen besteuern, Steuervermeidung eindämmen - mehr als dreißig deutsche und österreichische Millionäre haben an die Politik appelliert, Reiche stärker zur Kasse zu bitten. Die wachsende Ungleichheit gefährde die Demokratie.

Unter dem Schlagwort "taxmenow" haben 36 Millionärinnen und Millionäre aus Deutschland und Österreich eine höhere Besteuerung von Millionenvermögen gefordert. In einem im Internet veröffentlichten Appell an die Politik heißt es: "Wir sind Vermögende und setzen uns für eine höhere Besteuerung von Vermögen ein." 

Die "Ungleichheit in Deutschland und international" nehme seit Jahrzehnten zu, begründen die Millionäre ihren Vorstoß. Unter der Corona-Krise litten besonders Arme, "während manche Vermögende und Unternehmen zu den Krisengewinnern gehören und in der Krise noch reicher geworden sind". Die Initiatoren haben eine Online-Petition gestartet und werben um Unterstützer.

Wiedereinführung der Vermögenssteuer

Unter anderem schlagen sie vor, die Vermögenssteuer wiedereinzuführen. Sie fordern zudem eine Vermögensabgabe im Falle einer Schuldenbremse und striktere Regeln gegen Steuervermeidung. Die bevorstehenden Wahlen böten "eine einmalige Gelegenheit", die Orientierung von Vermögen am Wohle der Allgemeinheit zu stärken, heißt es in dem Appell.

Unterzeichnet haben den Appell laut "Süddeutscher Zeitung" unter anderem der IT-Firmengründer Ralph Suikat, der Erbe der Schwarz Pharma AG Antonis Schwarz und die Unternehmenserbin Stefanie Bremer.

Auch Steuerschlupflöcher bevorteilen Reiche

Nach Einschätzung des ifo Instituts haben wohlhabende Menschen in Deutschland bei der Steuergestaltung viel mehr Spielraum als in anderen Industrienationen. Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen, sagte dem "Spiegel", hierzulande betrage der Unterschied zwischen den Brutto-Jahreseinkünften und dem am Ende tatsächlich versteuerten Einkommen mehr als 20 Prozent. In den USA liege dieser Wert bei 12 Prozent, bei den Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Schnitt bei 10 Prozent.

"Das heißt: Bei uns haben Reiche viel mehr Möglichkeiten, sich arm zu rechnen." Es sei deshalb wichtig, Steuerschlupflöcher zu schließen, so Peichl.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juni 2021 um 14:00 Uhr.