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Bundestag Hilfe für die Apotheke um die Ecke

Stand: 29.10.2020 04:10 Uhr

Anders als Vor-Ort-Apotheken dürfen Online-Händler aus dem Ausland Rabatte auf Medikamente anbieten. Heute will der Bundestag ein Gesetz verabschieden, das den Wettbewerb fairer machen soll.

Von Claudia Plaß, ARD-Hauptstadtstudio

Die Apotheken haben nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gerade zu Beginn der Corona-Pandemie gezeigt, wie wichtig ihre Arbeit ist. Wichtig vor allem, das betonte der CDU Politiker im September im Bundestag, weil die Apotheken vor Ort für Menschen leicht und gut erreichbar seien - nicht nur, um Medikamente zu verkaufen, sondern auch, um Patienten zu beraten.

Die massiven Einschränkungen im Frühjahr hatten viele Verbraucher verunsichert. Anders als zahlreiche Einzelhandelsunternehmen waren die Apotheken damals nicht von Schließungen betroffen. Patienten sorgten sich, dass Medikamente knapp werden könnten und kauften größere Mengen ein. Vor allem im März, als viele Läden geschlossen waren, verzeichneten die Apotheken laut Statistischem Bundesamt ein Umsatzplus von 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Viele kaufen Medikamente online

Die Corona-Krise hat dabei offenbar auch einen Trend verstärkt: Patienten kaufen Medikamente zunehmend auch online. Mehr als die Hälfte der Verbraucher, 58 Prozent, bestellen laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage Arzneien gewöhnlich bei einer Online-Apotheke. 

Insgesamt ist der Anteil der Versandapotheken weiter gestiegen. Viele Vor-Ort-Apotheken bieten bereits einen Online-Handel an, gestiegen ist der Marktanteil aber auch bei großen Versandapotheken im europäischen Ausland. Anders als die Apotheken im Inland können sie ihren Kunden Rabatte anbieten.

Nachteile beim Marktzugang

Die Regelung aber sorgt für Streit - der Europäische Gerichtshof hatte 2016 entsprechenden Anbietern erlaubt, Kunden Preisnachlässe zu gewähren. Das sollte Nachteile beim Marktzugang ausgleichen. Diese Rabatte soll es nach dem Willen des Bundesgesundheitsministers künftig in dieser Form nicht mehr geben.

Das sieht der Gesetzentwurf "zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken" vor. Ein Gesetz, so Spahn, bei dem der Name tatsächlich Programm sei. Damit soll, wie es im Gesundheitsministerium heißt, für fairen Wettbewerb zwischen Vor-Ort- und Online-Apotheken gesorgt werden. Heute soll es im Bundestag verabschiedet werden.

Für gesetzlich Versicherte soll bei verschreibungspflichtigen Medikamenten überall der gleiche Preis gelten. Egal, ob sie das Medikament bei einer Apotheke um die Ecke oder bei einer EU-Versandapotheke kaufen.

Das "Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken" ist ein Teil von mehreren Maßnahmen in einem zunehmend digitalen Apothekenmarkt. Derzeit kaufen Patienten vor allem Nicht-verschreibungspflichtige Arzneien zunehmend online, zum Beispiel Erkältungsmittel oder Kopfschmerztabletten.

Marktanteil ist gering

Anders verhält es sich derzeit noch bei verschreibungspflichtigen Medikamenten: Ein Rezept vom Arzt gibt es weiterhin ausgedruckt auf dem Papier. Anstatt es zu einer Versandapotheke zu schicken, ist es einfacher, damit zur Apotheke um die Ecke zu gehen und es dort einzureichen. Das entsprechende Medikament wird dann umgehend ausgehändigt - oder meist innerhalb kurzer Zeit bestellt.

Noch ist der Marktanteil von Versandapotheken für verschreibungspflichtige Medikamente gering. Das könnte sich ändern - vor allem mit dem sogenannten E-Rezept. Ein entsprechendes Gesetz wurde vom Bundestag beschlossen. Es sieht vor, dass Patienten ein Rezept künftig digital in einer App speichern und bei jeder Apotheke auch online vorzeigen können.

E-Rezept soll 2022 kommen

Anfang 2022 soll das E-Rezept flächendeckend eingeführt werden. Gesundheitsminister Spahn erhofft sich damit, dass die "Digitalisierung im Alltag der Patienten" ankomme. Profitieren dürften davon auch große Online-Apotheken im Ausland.

Nicht nur der Verkauf von Medikamenten digital soll mit dem Gesetz geregelt werden. Es  sieht außerdem vor, dass Apothekerinnen und Apotheker extra Geld für zusätzliche Leistungen erhalten, etwa bei der Medikationsberatung von Patienten, zum Beispiel bei einer Krebstherapie. Leistungen, die vor allem Vor-Ort-Apotheken anbieten. Auch für Notdienste sollen Apotheken mehr Geld erhalten. Außerdem sollen die Botendienste der Apotheken gestärkt werden. 

Nachbesserungen gefordert 

Die Opposition fordert Nachbesserungen an dem Gesetzentwurf. So will etwa die AfD erreichen, den Botendienst von Apotheken dauerhaft zu sichern. Die Grünen fordern, dass die Versorgung mit Arzneimitteln bundesweit wohnortnah gewährleistet wird.

Die Linksfraktion will den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten verbieten. Die FDP fordert eine sichere Arzneimittelversorgung - in einem entsprechenden Antrag heißt es: Die Corona-Krise verdeutliche auf drastische Weise, dass in Krankenhäusern und Apotheken wichtige Medikamente fehlten.

 

Bundestag berät über Gesetz zur Stärkung von Vor-Ort-Apotheken
Claudia Plaß, ARD Berlin
29.10.2020 06:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Oktober 2020 um 07:29 Uhr.

Korrespondentin

Claudia Plaß | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo NDR

Claudia Plaß, NDR

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