Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht während eines Besuchs im Roche-Entwicklungslabor für den neuen serologischen Antikörpertest Elecsys Anti-SARS-CoV-2 Test. | Bildquelle: dpa

Corona in Deutschland Drei Millionen Antikörpertests auf dem Weg

Stand: 04.05.2020 18:22 Uhr

Drei Millionen Corona-Antikörpertests - diese Menge will ein Schweizer Pharmaunternehmen an Deutschland liefern. Das vereinbarte Gesundheitsminister Spahn mit dem Konzern. Die Tests könnten den Weg für Lockerungen ebnen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche eine Vereinbarung über die Lieferung von drei Millionen Corona-Antikörpertests getroffen. Das sagte Spahn nach einem Besuch des Roche-Standorts im oberbayerischen Penzberg.

"Eine wichtige Wegmarke"

"Der neue Test ist eine wichtige neue Wegmarke im Kampf gegen das Virus", so der CDU-Politiker. Die Bluttests sollten noch im Mai an Gesundheitseinrichtungen in Deutschland ausgeliefert werden. Für die kommenden Monate seien je fünf Millionen Tests zur Auslieferung nach Deutschland vereinbart.

"Antikörpertests helfen uns, zu wissen, wer eine Corona-Infektion schon durchgemacht hat. So gewinnen wir Erkenntnisse über das tatsächliche Ausbruchsgeschehen", sagte Spahn. Sobald gesicherte Erkenntnisse über eine mögliche Immunität nach durchgemachter Infektion vorlägen, würden die Tests noch größere Bedeutung gewinnen.

Mit der Auslieferung an die Labore stehe der Test grundsätzlich jedem zu Verfügung, aber nicht für jeden übernehme die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten, so der Gesundheitsminister. In welchen Fällen die Krankenversicherung zahle, werde in einem Gesetz geregelt, das diese Woche in erster Lesung im Bundestag behandelt wird.

Produktionskapazitäten sollen erhöht werden

Um Tests in großer Menge bereitstellen zu können, wird Roche die Produktionskapazität der biochemischen Anlagen in Penzberg für 170 Millionen Euro ausbauen, sagte Roche-Präsident Christoph Franz bei dem Besuch des Werks im Begleitung von Spahn und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

Mit weiteren 250 Millionen Euro will der Konzern aus Basel in den nächsten vier Jahren in Penzberg ein neues Zentrum für die Erforschung und Entwicklung von diagnostischen Tests aufbauen. Daran werde sich Bayern mit 40 Millionen Euro beteiligen, sagte Söder.

"Neues Qualitätsniveau"

Roche hatte zuvor nach eigenen Angaben die Notzulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA für einen Corona-Antikörpertest erhalten. Diese ist einem Sprecher zufolge für alle Länder gültig, die die CE-Kennzeichnung für Produkte akzeptieren. Das seien unter anderem alle Länder innerhalb der Europäischen Union. Durch die CE-Kennzeichnung bestätigt ein Hersteller, dass sein Produkt allen für dieses Produkt relevanten europäischen Qualitäts- und Sicherheitsrichtlinien entspricht.

Der Test hat den Angaben zufolge eine Sensitivität von 100 Prozent und eine Spezifität von 99,8 Prozent. Erstere gibt den Prozentsatz der Betroffenen an, bei denen die Infektion tatsächlich erkannt wird. Letztere sagt aus, wie viele Gesunde von dem Test auch tatsächlich als gesund erkannt werden. Roche-Präsident Franz sprach von einem völlig "neuen Qualitätsniveau".

Der Nachweis, dass eine Person bereits eine Infektion durchgemacht und Antikörper gegen das Virus gebildet hat, gilt als entscheidender Faktor für mögliche Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Mai 2020 um 14:00 Uhr.

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