Interview

Dopingmittel

Interview zum Anti-Doping-Gesetz Eine Warnung an den Spitzensport

Stand: 11.11.2014 16:30 Uhr

Doping im Sport soll künftig nicht mehr nur mit Sperren geahndet werden, sondern mit Haft. Bis zu drei Jahre Gefängnis - das wirke abschreckend auf Spitzensportler, sagt Dopingforscher Schänzer im tagesschau.de-Interview. Doch er warnt vor einer Ausweitung.

tagesschau.de: Das neue Anti-Doping-Gesetz ist auf dem Weg. Es sieht unter anderem Haftstrafen von bis zu drei Jahren vor. Hält das dopende Sportler vom Betrug ab?

Wilhelm Schänzer: Natürlich ist es eine enorme Abschreckung für Spitzensportler. Wir müssen aber abwarten, wie das wirkt. Klar ist: Das Gesetz ist wichtig und richtig, da nicht nur Sportler, sondern auch Betreuer und Hintermänner gefasst werden können. Bisher gab es nur das Arzneimittelgesetz. Das wird jetzt überführt in das neue Anti-Doping-Gesetz. Im Vergleich zu anderen Ländern ist es eine ziemlich strenge Regelung.

alt Wilhelm Schänzer, Deutsche Sporthochschule Köln

Zur Person

Wilhelm Schänzer leitet das Institut für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Dort werden jedes Jahr etwa 16.000 humane Dopingproben analysiert. Schänzer ist einer der führenden deutschen Dopingforscher.

"Gesetz muss nicht ausgeweitet werden"

tagesschau.de: Das Gesetz soll nur für die etwa 7000 Spitzensportler gelten. Ist das sinnvoll?

Schänzer: Nur wer Geld mit Sport verdient, für den lohnt sich Doping, das ist die Idee hinter dem Gesetz. Ob es Sinn macht, die Zahl auf 7000 zu beschränken, möchte ich nicht bewerten. Es ist eine politische Entscheidung gewesen. Die muss man im Augenblick erst mal so akzeptieren.

tagesschau.de: Wäre eine Ausweitung denn sinnvoll?

Im Freizeitsport kann man sich mit Doping nur selber schädigen. Das steht nicht unter Strafe. Ansonsten greift in diesem Bereich das Betäubungsmittel- und Arzneimittelgesetz. Deshalb muss man aus meiner Sicht das Anti-Doping-Gesetz nicht auf die ganze Bevölkerung ausweiten.

tagesschau.de: In dem Gesetzentwurf fehlt eine sogenannte Kronzeugen-Regelung. Wie wichtig wäre die, um den Doping-Sumpf trocken zu legen?

Schänzer: Es ist eine Maßnahme, die nicht so effektiv zum Erfolg geführt hat, wie man gehofft hatte. Denn man muss wissen, dass es in den letzten fünf Jahren nur sehr wenige Athleten gab, auf die die Kronzeugen-Regelung angewendet wurde. Dem könnte das neue Anti-Doping-Gesetz Rechnung tragen.

"Sperren kommen einem Berufsverbot gleich"

tagesschau.de: Momentan werden Sportler bei Dopingvergehen gesperrt. Durch die Gesetzgebung kommt eine zweite Bestrafungsebene dazu. Eine Tat kann zukünftig also doppelt bestraft werden. Ist das nicht ein Eingeständnis dafür, dass die bisherige Regelung nicht ausreicht?

Schänzer: Aus meiner Sicht werden Sportler durch eine bis zu vierjährige Sperre der Sportgerichte schon hart bestraft. Das kommt schon einem Berufsverbot gleich. Eine weitere Bestrafung ist aus meiner Sicht nur erforderlich, wenn Sportler sehr viel Geld verdienen und durch Doping Mitstreiter betrügen. 

tagesschau.de: Sie analysieren Dopingproben in Deutschland. Gehen Sie davon aus, dass Sie in Zukunft weniger positive Tests machen?

Schänzer: Gut möglich. Man muss aber sagen, dass wir derzeit in Deutschland kein riesiges Dopingproblem haben. Nur sehr wenige unserer Proben sind positiv. Wir erhoffen uns durch die Neuregelung aber eine größere Abschreckung. Das wäre der Wunsch. Wie die Wirklichkeit dann aussieht, müssen wir sehen.

Das Interview führte Florian Pretz, tagesschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. November 2014 um 16:15 Uhr.

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