Fahrzeuge stehen auf Behelfsparkplätzen an der Bundesstraߟe 242 zwischen Braunlage und Torfhaus im Harz | dpa

Ansturm auf Schneeregionen "Es geht gar nichts mehr"

Stand: 02.01.2021 16:15 Uhr

Stau, überfüllte Parkplätze und Rodeln und Wandern dicht an dicht: Der Ansturm auf Gebiete, in denen Schnee liegt, reißt auch am Wochenende nicht ab. Teilweise gab es Anzeigen wegen Verstößen gegen Schutzmaßnahmen.

Vielerorts war es schon am Morgen so voll, dass der Verkehr zusammenbrach: Zahlreiche Ausflügler haben sich vom Corona-Lockdown nicht davon abhalten lassen, den Harz und andere verschneite Berggebiete in Deutschland zu besuchen.

Harz: Massenweise Rodler und Wanderer

"Wir haben hier Chaos hoch drei, es bricht alles zusammen", sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion Goslar am Mittag. "Es geht so gut wie gar nichts mehr, einige Autos sind auch liegengeblieben. Es ist zu viel los." Auf Rodelbergen wie der Hexenritt-Abfahrt am Wurmberg tummelten sich die Massen, auch auf Wanderwegen liefen die Menschen dicht an dicht.

Behörden und Polizei hatten zuvor immer wieder darum gebeten, im Corona-Lockdown lieber auf Ausflüge in die Berge zu verzichten - trotzdem kam es erneut zu einem Ansturm von Rodlern und Wanderern.

In den verschneiten Ortschaften bildeten sich lange Autoschlangen und Staus. Schon am Vormittag twitterte die Polizei Goslar, dass die Parkplätze weitgehend ausgelastet seien und sich auf der B4 ein langer Stau bilde. Der Großraumparkplatz in Torfhaus war überfüllt. Auf dem Goetheweg von Torfhaus zum Brocken strömten die Massen. Auch in Braunlage war viel los. In Niedersachsen gibt es keine Beschränkung für Tagestouristen: Nicht nur aus der Region, sondern auch aus Berlin und Hamburg reisten Ausflügler an.

Sauerland: Anzeigen wegen Verstößen gegen Schutzmaßnahmen

Im Sauerland ist die Situation ähnlich: Polizei und Ordnungsbehörden schrieben Anzeigen wegen zahlreicher Verstöße gegen die Corona-Schutzmaßnahmen, wie eine Sprecherin der Stadt Winterberg sagte. Denn eigentlich sind Lifte und Pisten sowie Restaurants und Hütten bis mindestens 10. Januar geschlossen.

Die Betreiber der Wintersport-Arena und des Skiliftkarussells in Winterberg weisen auf ihren Internetseiten darauf hin, dass es darum für Ausflügler keine Toiletten und keine Möglichkeiten zum Aufwärmen gibt - und dass keine Retter vor Ort sind. "Wir lieben unsere Berge", heißt es dort. "Aber in diesen Zeiten müssen wir diese Liebe ruhen lassen, denn der Ansturm führt zu Stau und Massenaufläufen. Verstopfte Straßen, fehlende Parkplätze und viele potenzielle Kontakte. Wer will das schon?"

Taunus und Rhön: Andrang auf Gipfel-Zufahrten

Auch am Großen Feldberg in Hessen hielt der Ansturm von Ausflüglern mit Sehnsucht nach Schnee an. Rund um den höchsten Gipfel im Taunus sei es "chaotisch wie die letzten Tage", sagte ein Sprecher der Polizei in Königstein. Zahlreiche Ausflügler seien trotz gesperrter Gipfel-Zufahrten unterwegs, Straßen in den Ortschaften rund um den Feldberg seien zugeparkt. Die Polizei war dem Sprecher zufolge für Kontrollen vor Ort und um den Verkehr zu lenken. Die Beamten appellierten erneut, die Region für einen Winterausflug zu meiden.

Auch in der Rhön zog es am ersten Samstag des Jahres viele Menschen nach draußen und zur Wasserkuppe, Hessens höchstem Berg. "Es ist voll", sagte ein Polizeisprecher in Fulda. Bereits in den vergangenen Tagen hatten sich die Autos in manchen Ausflugsorten kilometerlang gestaut.

Der Deutsche Wetterdienst hat zwar keinen Sonnenschein angekündigt, die Polizei rechnet aber trotzdem nicht mit einem Abflauen des Besucherandrangs. "Ich denke, am Sonntag wird es genauso sein wie heute", befürchtete ein Polizeisprecher im Harz.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Januar 2021 um 15:32 Uhr.