Jörg Fröhlich, Andy Grote, Mirko Streiber und Claus Cortnumme sprechen auf einer Pressekonferenz. | picture alliance/dpa

Durchsuchungen und Festnahme Offenbar Anschlag in Hamburg verhindert

Stand: 10.12.2021 14:59 Uhr

Die Hamburger Polizei hat nach eigenen Angaben einen islamistischen Terroranschlag vereitelt. Ein 20-Jähriger soll Chemikalien für den Bau einer Bombe besessen haben. Er wurde bereits im August festgenommen.

Die Polizei in Hamburg hat nach eigenen Worten einen islamistischen Anschlag verhindert. Am 26. August habe die Polizei einen 20 Jahre alten Deutsch-Marokkaner verhaftet, sagte Innensenator Andy Grote auf einer Pressekonferenz. "Wir haben es hier mit einem sehr, sehr ernsthaften Vorgang zu tun." Der Mann hatte den Angaben zufolge versucht, eine Pistole und eine Handgranate im Darknet zu kaufen und war dabei an einen verdeckten Ermittler geraten.

Ermittlungen hätten außerdem Hinweise darauf gegeben, dass er zwar in Wismar gemeldet sei, sich aber bei seinen Eltern in Hamburg aufhielt. Schon am 26. August seien beide Wohnungen durchsucht worden, erklärte die Polizei weiter. Dabei seien unter anderem Propagandavideos islamistischer Gruppen und Unterlagen zur Herstellung von Waffen beschlagnahmt worden.

Außerdem wurde festgestellt, dass der Mann sich im Internet Anleitungen zum Bau einer Bombe angesehen habe. Darum habe die Zentralstelle Staatsschutz der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg das Verfahren übernommen.

"Diverse Substanzen und Gegenstände" für Bombenbau

Wenig später hätten die Ermittler herausgefunden, dass der Beschuldigte auch eine auf seinen Cousin gemeldete Wohnung im Hamburger Stadtteil Jenfeld nutzte. Bei der Durchsuchung dieser Wohnung seien dann im November "diverse Substanzen und Gegenstände" gefunden worden, die für die Herstellung von Schwarzpulver und zum Bau eines Sprengsatzes geeignet gewesen wären, erklärte die Polizei.

Laut den Angaben befanden sich darunter chemische Substanzen sowie mehrere Hundert Schrauben und Muttern. Nach Polizeiangaben hätte eine daraus gebaute Bombe "erhebliche oder sogar tödlicher Verletzungen" verursachen können.

Übernimmt Generalbundesanwalt?

Nach weiteren Ermittlungen im Umfeld habe der Staatsschutz 17 Durchsuchungsbeschlüsse bei nicht verdächtigen Bekannten des 20-Jährigen in verschiedenen Bundesländern erwirkt. Die Wohnungen der Betreffenden seien am Mittwoch dieser Woche durchsucht worden. Dabei seien Beweismittel wie Smartphones, Computer und Datenträger beschlagnahmt worden.

Derzeit berate der Staatsschutz mit dem Generalbundesanwalt, ob dieser "vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse" das Verfahren übernehmen könne, hieß es weiter.

Hintergründe zum Festgenommenen

Der Tatverdächtige, der in Untersuchungshaft sitzt, sei der Sohn eines den Hamburger Behörden seit langem bekannten Islamisten, sagte der Leiter der Staatsschutzabteilung im Landeskriminalamt (LKA), Claus Cortnumme.

Der marokkanische Vater sei Mitverantwortlicher der Al-Quds-Moschee gewesen, in der sich vor den Anschlägen vom 11. September 2001 die Angehörigen der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta getroffen hatten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. Dezember 2021 um 14:25 Uhr.