Polizeibeamte stehen vor dem Hauptsitz des Vereins Ansaar International in der Worringer Straße. | dpa

Verdacht der Terror-Unterstützung Razzien gegen Islamisten-Netzwerk

Stand: 10.04.2019 10:42 Uhr

Sie sammelten Spenden für Brunnen im Niger oder Lebensmittelpakete im Gazastreifen. Doch dahinter soll sich ein islamistisches Netzwerk verbergen, das auch die Hamas unterstützte. Jetzt ging die Polizei bundesweit gegen zwei Vereine vor.

Die Polizei hat in neun Bundesländern Einrichtungen eines bundesweiten mutmaßlich islamistischen Netzwerks durchsucht. Wie das Bundesinnenministerium mitteilte, wurden in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein etwa 90 Objekte durchsucht.

An der Spitze dieses Netzwerks stehen demnach die in Nordrhein-Westfalen ansässigen Vereine WWR Help und Ansaar International. Ansaar hat seinen deutschen Hauptsitz in Düsseldorf. Der Verein steht bereits seit Längerem in der Kritik. Für Aufsehen sorgte vor gut zwei Jahren der Fall des ehemaligen Bundesligaspielers Änis Ben-Hatira. Er hatte für den Verein, der schon damals der Salafistenszene zugeordnet wurde, geworben - und verlor deshalb seinen Job bei Darmstadt 98.

Offenbar Verbindungen zu "Lies!"

Im Bericht des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes für 2017 ist von intensiven Kontakten zwischen beiden Vereinen die Rede. Bei Ansaar wurden dem Bericht zufolge zudem "intensive Kooperationen mit anderen Personen der extremistisch-salafistischen Szene" beobachtet. Der Verfassungsschutz schrieb, auffällig sei, "dass es beim Personenkreis mittlerweile einige Überschneidungen zwischen diesem Verein und dem mittlerweile verbotenen Verein Die Wahre Religion/Lies! gibt".

Dies deute darauf hin, dass Ansaar International in der extremistischen Szene ein Vakuum fülle, das durch das Verbot des Lies!-Vereins 2016 entstanden sei. Dieser hatte mit Koran-Verteilaktionen im öffentlichen Raum Aufmerksamkeit erregt.

Polizeibeamte stehen vor dem Hauptsitz des Vereins Ansaar International. (Archivbild) | dpa

Razzia im Hauptsitz des Vereins Ansaar International: Unterstützung für die Hamas? Bild: dpa

Hamas unterstützt?

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen bestehen offenbar Anhaltspunkte, dass die radikalislamische Hamas finanziell und propagandistisch unterstützt wird.

Die USA, Israel und die EU haben die Hamas, die im Gazastreifen herrscht, als Terrororganisation eingestuft. "Wer unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe die Hamas unterstützt, missachtet fundamentale Wertentscheidungen unserer Verfassung", teilte Bundesinnenminister Horst Seehofer mit.

Dadurch werde auch das Engagement der vielen Hilfsorganisationen diskreditiert, die "sich unter schwierigen Rahmenbedingungen zur Neutralität verpflichtet haben". Die Ordnung des Grundgesetzes gebiete, gegen solche Aktivitäten mit Nachdruck vorzugehen.

In die Ermittlungen gegen Ansaar International ist auch die Steuerfahndungsdienststelle beim nordrhein-westfälischen Landeskriminalamt involviert. "Grund hierfür ist die Aufklärung komplexer, in das Ausland reichender finanzieller Geschäftsbeziehungen", hieß es aus dem Bundesinnenministerium.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. April 2019 um 14:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Peter Meffert 10.04.2019 • 14:20 Uhr

13:57 von Zwicke

Zitat:".. weil es solche Urteile schlichtweg nicht gibt... aus sehr unterschiedlichen Gründen und fast nie öffentlich kommuniziert... und weil Ottonormalbürger die Begründungen zumeist nicht nachvollziehen können" Könnte es vielleicht sein, dass der von Ihnen genannte "Ottonormalbürger" die Aufgabe eines Gerichts und die Regeln, die zu einer Verurteilung führen, nicht nachvollziehen kann? Ich jedenfalls bin froh, dass deutsche Gerichte aufgrund von Beweisen und nicht aufgrund von Mutmaßungen urteilen.