Ein Polizeifahrzeug steht vor der Synagoge in Bonn. | dpa

Attacken auf Synagogen "Antisemitischer Hass ist eine Schande"

Stand: 13.05.2021 01:08 Uhr

Am Dienstagabend wurden vor Synagogen Israel-Flaggen verbrannt, ein Eingang mit Steinwürfen beschädigt. Die Kritik in Politik und Gesellschaft ist heftig. Der Zentralrat der Juden spricht von "reinstem Antisemitismus".

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht hat Angriffe auf Synagogen und das Verbrennen von Israel-Flaggen in Deutschland scharf verurteilt. "Dieser antisemitische Hass ist eine Schande", sagte die SPD-Politikerin. Während in Israel Menschen angesichts der Raketenangriffe Todesangst litten, zeigten diese Taten in Deutschland "nichts als schreckliche Menschenverachtung". Synagogen und jüdische Einrichtungen müssten jetzt konsequent geschützt werden.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil nannte die Vorfälle "vollständig inakzeptabel". "Es geht überhaupt nicht, dass in Deutschland Flaggen Israels verbrannt werden oder es antisemitische Kundgebungen vor Synagogen gibt", sagte der Sozialdemokrat dem Sender RTL. Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung.

Außenminister Heiko Maas appellierte, Juden in Deutschland nicht die Entwicklung im Nahen Osten vorzuhalten. "Wir alle sind gefordert deutlich zu machen, dass wir es nicht akzeptieren, wenn Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland für Ereignisse im Nahen Osten verantwortlich gemacht werden - auf der Straße wie in den sozialen Medien", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Für Angriffe auf Synagogen darf es in unserem Land null Toleranz geben", so Maas. Er betonte: "Und so traurig es ist, dass das überhaupt notwendig ist: der Staat muss ohne Wenn und Aber die Sicherheit der Synagogen gewährleisten."

In Nahost hat sich der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte April zugespitzt. Inzwischen sind es die heftigsten Auseinandersetzungen seit mehreren Jahren.

"Dürfen das nicht dulden"

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, erwartet nach eigener Aussage vor dem Hintergrund der Eskalation in Nahost eine Zunahme antisemitischer Straftaten in Deutschland . Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte er: "Wir als Gesellschaft und vor allem Polizei und Justiz müssen darauf reagieren. Wir dürfen das nicht dulden." Es sei ein "klassisches Muster, Juden in Deutschland dafür verantwortlich zu machen, was die israelische Regierung tut - eine Regierung, auf deren Handeln sie ja keinen Einfluss haben", beklagte Klein.

Gestern Abend waren vor den Synagogen in Bonn und Münster israelische Flaggen angezündet worden. Außerdem wurde der Eingang der Bonner Synagoge mit Steinen beschädigt. Der Staatsschutz ermittelt. Die Polizei nahm eigenen Angaben zufolge mehrere Personen fest, 13 in Münster und drei in Bonn. Sie gehe von einem Zusammenhang mit der Eskalation im Nahen Osten aus.

"Purer, reinster Antisemitismus"

Der Vorsitzender des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagte, selbst wenn nur ein Stein auf eine Synagoge geworfen werde, sei das "ein Angriff auf ein Gotteshaus, das ist purer, reinster Antisemitismus". Hier sehe er eine Verantwortung der Sicherheitsbehörden, auch präventiv tätig zu werden. Israel und Juden seien vor allem in den sozialen Medien Hass und Hetze ausgesetzt, die Bedrohung für die Juden wachse. "Wir alle gemeinsam müssen uns an die Seite des jüdischen Staates stellen", erklärte er.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, äußerte sich nach einem Treffen mit Schuster erschüttert über die Angriffe in Deutschland: "Es darf nicht zugelassen werden, dass ein politischer Konflikt mit religiösem Fanatismus verbunden und aufgeladen wird. Angriffe auf Synagogen sind purer Antisemitismus, der mit nichts zu rechtfertigen ist."

In der "Bild"-Zeitung äußerte sich auch Israels Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, besorgt: Diese Taten seien "völlig inakzeptabel". Man vertraue darauf, dass die deutschen Behörden weiterhin alle Maßnahmen ergriffen, um solche Vorfälle zu verhindern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Mai 2021 um 12:00 Uhr.