Die Ausrüstung eines Kamerateams liegt nach einem Übergriff in Berlin auf dem Boden.  | dpa

Zählung für 2020 Angriffe auf Journalisten auf Höchststand

Stand: 23.03.2021 16:19 Uhr

In Deutschland wurden laut einer Analyse 2020 so viele Angriffe auf Journalisten gezählt wie noch nie seit Beginn der Erhebung. Grund seien vor allem Vorfälle bei Corona-Demos. Die meisten Angriffe gab es erstmals in Berlin.

Das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF) hat im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg von Angriffen auf Journalisten in Deutschland registriert. 69 tätliche Angriffe listet die Non-Profit-Organisation aus Leipzig in ihrer jährlichen Analyse für 2020 auf. Das sei die höchste Zahl seit Beginn der Erhebung vor sechs Jahren.

2019 waren es demnach 14 Fälle, 2018 waren 26 Angriffe registriert worden. Bis Mitte März 2021 wurden bislang acht Angriffe gezählt.

"Ausschlaggebend für den starken Anstieg sind die vielen Gewalttaten auf pandemiebezogenen Versammlungen", hieß es weiter. Dort seien 49 Angriffe (71 Prozent) erfolgt. Unter Angriffen versteht die Vereinigung zum Beispiel Schläge, Tritte, Stoßen, Spucken oder den Angriff mit Waffen.

31 Angriffe aus dem rechten Spektrum, fünf aus dem linken

Das von der EU unterstützte Zentrum, das sich für Pressefreiheit einsetzt, verortete 31 Fälle im eindeutig rechten Spektrum. Fünf Fälle waren demnach dem politisch linken Spektrum zuzuordnen, davon wurden allein drei bei einer Demonstration im Januar in Leipzig verübt. 33 Angriffe konnten politisch nicht eindeutig verortet werden. Dieser hohe Anteil sei hauptsächlich auf die unpräzise politische Positionsbestimmung vieler pandemiebezogener Demonstrationen und der Anhängerinnen und Anhänger zurückzuführen.

Schwerpunkt der Angriffe war mit 23 Fällen die Hauptstadt Berlin. Auch hier spielten Proteste gegen die Corona-Maßnahmen die entscheidende Rolle. So gab es laut Studie in der Hauptstadt allein bei zwei Demonstrationen am ersten und letzten Augustwochenende insgesamt zehn tätliche Angriffe auf Journalisten.

In den Vorjahren hatte Sachsen die Liste der Bundesländer mit den meisten Fällen angeführt. Dort gab es 2020 mit 19 Angriffen weiterhin eine vergleichsweise hohe Zahl. Allein sieben Vorfälle wurden bei einer "Querdenken"-Demonstration in Leipzig am 7. November gezählt. Die drittmeisten Angriffe gab es mit sieben Fällen in Bayern.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. März 2021 um 11:00 Uhr.

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