Hakenkreuze und andere Schmierereien sind an einer Asylbewerberunterkunft in Waltrop | Bildquelle: picture alliance / dpa

Erstes Halbjahr 2019 609 Angriffe auf Flüchtlinge

Stand: 05.09.2019 03:37 Uhr

Im ersten Halbjahr ist die Zahl der Angriffe auf Flüchtlinge laut offizieller Zählung leicht auf 609 gesunken. Besonders viele Delikte registrierten die Behörden dabei in Brandenburg.

Zwischen Januar und Juni haben die Behörden 609 Angriffe auf Flüchtlinge registriert. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung". Sie beruft sich dabei auf Angaben der Bundesregierung aus einer Antwort auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke.

Demnach ordneten die Sicherheitsbehörden nahezu alle Straftaten dem Bereich "Politisch motivierte Kriminalität rechts" zu. Die aufgeführten Delikte reichten von Beleidigung und Volksverhetzung bis hin zu Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung. Hinzu kamen demnach 60 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte sowie 42 Attacken gegen Hilfsorganisationen oder ehrenamtliche Helfer. Bei den Übergriffen seien 102 Menschen verletzt worden, darunter sieben Kinder.

Sowohl die Zahl der Angriffe als auch die Zahl der Verletzten liegt leicht unter dem Niveau des ersten Halbjahres 2018.

Besonders viele Angriffe in Brandenburg

Jeder vierte zwischen Januar und Juni 2019 erfasste Angriff auf Flüchtlinge ereignete sich laut der Auflistung der Bundesregierung in Brandenburg. Die Polizei verzeichnete dort 160 Delikte mit dem "Angriffsziel Flüchtling/Asylbewerber", so das Bundesinnenministerium. In anderen Bundesländern wurden demnach weit weniger Übergriffe aktenkundig. In Baden-Württemberg waren es 62, in Niedersachsen 58, in Sachsen 56.

Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, kritisierte, dass Flüchtlinge in Deutschland einer alltäglichen Bedrohung ausgesetzt seien. "Der Staat hat eine Schutzpflicht gegenüber diesen Menschen", sagte sie. Das Innenministerium betont in seiner Antwort: "Alle in unserer Gesellschaft und auch die Politik tragen die gemeinsame Verantwortung, sich gegen ein stilles Einverständnis oder auch bloßes Hinnehmen solcher Anschläge durch die Minderheit in unserer Gesellschaft deutlich zu positionieren."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. September 2019 um 01:00 Uhr.

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