Gendersternchen

Anglizismus des Jahres 2018 Ausgezeichnetes "Gendersternchen"

Stand: 29.01.2019 09:40 Uhr

"Sale", "Date", "Fake news" - im Deutschen gibt es viele Begriffe aus dem Englischen. Der Anglizismus des Jahres 2018 ist laut einer Jury: "Gendersternchen".

Das Wort "Gendersternchen" ist in Deutschland zum "Anglizismus des Jahres 2018" gekürt worden. Die Jury habe so entschieden, weil sich der Begriff sprunghaft im öffentlichen Sprachgebrauch verbreitet habe, sagte der Sprachwissenschaftler und Juryvorsitzende Anatol Stefanowitsch. Allein im Jahr 2018 habe die Häufigkeit des Begriffs um mehr als das Zehnfache zugenommen, von unter 0,25 auf 2,5 Vorkommen pro zehn Millionen Wörter.

Zuletzt gab es hitzige Diskussionen, ob das "Gendersternchen" möglicherweise in die amtliche Rechtschreibung aufgenommen werden sollte.

"Zentrale Bedeutung in der sprachlichen Gleichbehandlung"

Außerdem habe die zentrale Bedeutung überzeugt, die das Zeichen und das Wort dafür in der Auseinandersetzung "mit dem schwierigen und heftig umstrittenen Thema der sprachlichen Gleichbehandlung aller Geschlechter eingenommen hat", erklärte Stefanowitsch. Der Sprachwissenschaftler von der Freien Universität Berlin begrüßt die Absicht bei Personenbezeichnungen, Geschlechter jenseits von Mann und Frau sichtbar zu machen.

Was ist das "Gendersternchen"?

Das Wort "Gendersternchen" bezeichnet das Schriftzeichen * zwischen Wortstamm und weiblicher Nachsilbe "in", also wie zum Beispiel bei "Lehrer*innen". Der Stern soll es ermöglichen, alle Geschlechter gleichzeitig anzusprechen. Damit soll eine geschlechtergerechtere Sprache entstehen, da bisherige Schreibweisen oft als diskriminierend bezeichnet wurden.

Es wird immer mehr "gegendert"

Die insgesamt sechsköpfige Jury würdigte nach ihren Angaben mit der Wahl des "Gendersternchen" ausdrücklich auch die Rolle des Wortstamms "Gender" und des daraus abgeleiteten Verbs "gendern". Die Häufigkeit hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Der Wortstamm "Gender" bezeichnet den Sprachexperten zufolge "eine Perspektive auf das Geschlecht als kulturell hergestellter und damit veränderbarer Kategorie". Es ergänze so das Wort "Geschlecht", das eher eine biologische Perspektive einnehme.

Das Verb "gendern" findet sich demnach seit der Jahrtausendwende im Sprachgebrauch mit der Bedeutung: "die Gleichstellung von Mann und Frau verwirklichen". "Gegendert" werden könnten Texte, aber auch Institutionen oder Gesellschaftsbereiche, hieß es.

"Gendersternchen" - ein "Scheinanglizismus"

"Gendersternchen" sei im allgemeinen Sprachgebrauch ab 2013 zunächst in Form von "Gender Star" aufgetaucht, erklärte die Jury. Obwohl das Wort aus englischen Wortbestandteilen zusammengesetzt sei, handele es sich dabei um eine genuin deutsche Wortschöpfung - also um einen sogenannten "Scheinanglizismus". Die Jury betont, das Wort "Gendersternchen" zeige auch, wie schnell das Deutsche aus dem Englischen entlehntes Wortgut produktiv zur Bildung neuer Wörter nutze.

Platz zwei: "Framing" und Platz drei: "nice"

Auf den Plätzen zwei und drei landeten die Begriffe "Framing" und "nice". Das Wort "Framing" sagt aus, dass ein Thema aus einer bestimmten Perspektive mittels sprachlicher Bilder dargestellt wird - mit dem Ziel, politische Positionen zu diesem Thema zu vermitteln. Das Wort "nice" ist ein ursprünglich eher jugendsprachliches Synonym für "gut" oder "toll", das sich seit einigen Jahren im Sprachgebrauch auch junger Erwachsener findet, hieß es.

"Positiver Beitrag zum deutschen Wortschatz"

Der "Anglizismus des Jahres" wird in Deutschland seit 2010 gekürt. Damit soll den Initiatoren zufolge ein "positiver Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes" geleistet werden. Im vergangenen Jahr holte der Begriff "Influencer" den Titel. Davor waren es die Wörter "leaken" (2010), "shitstorm" (2011), "Crowdfunding" (2012), die Nachsilbe "-gate" (2013), "Blackfacing" (2014) und "Refugees Welcome" (2015), "Fake News" (2016).

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Januar 2019 um 09:30 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: