Berlin Breitscheidplatz | Bildquelle: REUTERS

Anschlag auf Breitscheidplatz Amri-Hintermann identifiziert?

Stand: 05.07.2018 17:00 Uhr

Kurz vor dem Anschlag tauschte der Breitscheidplatz-Attentäter Amri Nachrichten mit einem Unbekannten aus. Laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" haben die Ermittler einen Verdächtigen identifiziert - und einen Haftbefehl erwirkt.

Von Arne Hell, WDR und Georg Mascolo, NDR und WDR

Anis Amri war schon knapp sechs Stunden tot, erschossen von der italienischen Polizei. Da kam noch eine Nachricht auf dem Handy an, das er im LKW am Berliner Breitscheidplatz zurückgelassen hatte. Es war nur ein Satz auf Französisch. Ob es ihm gut gehe, wollte der Absender wissen. Er nannte sich "moumou1" und schrieb über den verschlüsselten Messenger-Dienst Telegram.

Lange gab es nur diesen Chatnamen. Inzwischen glauben die Sicherheitsbehörden, dass sie den Menschen dahinter identifiziert haben. Nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" haben die Ermittler so viele Informationen über ihn gesammelt, dass sie damit einen Haftbefehl am Bundesgerichtshof erwirkt haben.

Ermittler identifizieren offenbar Hintermann des Amri-Anschlags
nachtmagazin 00:15 Uhr, 06.07.2018, Anja Bröker, WDR

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Sieben Nachrichten kurz vor dem Anschlag

Weltweit gesucht wird jetzt der Tunesier Meher D., 32 Jahre alt, unter anderem wegen Beihilfe zum Mord. Die deutschen Ermittler halten seine Rolle für entscheidend. Meher D. soll als Lenker im Hintergrund agiert haben, als eine Art terroristischer Mentor im Auftrag des "Islamischen Staats" (IS). Er soll der Mann sein, mit dem Amri über Wochen vor dem Anschlag chattete und der ihn zu der Tat ermutigte.

Unter anderem schickte dieser Hintermann ihm ein Dokument, mit dem Titel: "Die frohe Botschaft zur Rechtleitung für diejenigen, die Märtyreroperationen durchführen." Darin wird unter anderem dargelegt, warum es gerechtfertigt sei, bei Anschlägen auch Frauen und Kinder zu töten. Kurz vor dem Anschlag am 19. Dezember 2016 tauschten beide sieben Nachrichten aus. Unter anderem schickte Amri eine Sprachnachricht, als er schon mit dem LKW auf dem Weg zum Berliner Breitscheidplatz war: "Ich bin jetzt in der Karre." Die Antwort von "moumou1": "Gott sei Dank."

Fahndungsfotos von Anis Amri, aufgenommen im Dezember in einer Wache in Frankfurt am Main | Bildquelle: dpa
galerie

Anis Amri wurde in Italien getötet - doch die Polizei hofft, Hintermänner festnehmen zu können.

Spur führt nach Nordafrika

Die Suche nach Amris Kontaktmann führte die Ermittler des Bundeskriminalamts schon im Frühjahr 2017 nach Tunesien. Der Nutzername, mit dem der Telegram-Account des mutmaßlichen Hintermannes erstellt wurde, lautete "Moadh Tounsi" - Moadh, der Tunesier. Über diesen Nutzernamen stießen die Ermittler im Internet auf weitere Hinweise darauf, dass der Gesuchte von Nordafrika aus agierte. Zwischenzeitlich gab es die Information, dass ein IS-Terrorist mit einem ähnlichen Kampfnamen in Libyen getötet worden sei. Später kamen die Ermittler aber zu der Erkenntnis: Amris mutmaßlicher Hintermann lebt.

Mutmaßlicher Hintermann soll in Libyen gewesen sein

Identifiziert werden konnte D. offenbar unter anderem wegen einer Überweisung, die Amri zehn Tage vor dem Anschlag in Berlin noch veranlasst haben soll. 700 Euro sollen damals an einen Tunesier namens Chaker D. gegangen sein. Der soll später gegenüber der tunesischen Polizei ausgesagt haben, dass das Geld für seinen Bruder Meher D. war. Und dass der 2015 als Kämpfer des IS nach Libyen gegangen war.

Ihm sollen noch weitere Online-Profile zugerechnet werden können, auf denen Anschläge im Westen propagiert wurden. Diese Spur wurde nach Angaben aus Ermittlerkreisen durch weitere Vernehmungen in Tunesien bestätigt. Wo genau sich Meher D. jetzt befindet, ist unklar. Die deutschen Behörden halten es aber für wahrscheinlich, dass er immer noch in Libyen ist.

"Instrukteure" des Terrors

Sicherheitsbehörden beobachten seit 2016 verstärkt, dass verdeckte Berater aus der Ferne vor Terroranschlägen eine Rolle spielen. Ihre Aufgabe ist es, potenzielle Attentäter zu radikalisieren und bei der Vorbereitung der Taten zu beraten - aber auch, sie bei der Stange zu halten und zu verhindern, dass sie im letzten Moment noch abspringen.

Auch im Fall des in Köln verhafteten Tunesiers, der mutmaßlich an einer Bombe mit dem Gift Rizin arbeitete, befürchten Ermittler, dass ein solcher "Instrukteur" eine Rolle gespielt haben könnte.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Juli 2018 um 17:15 Uhr.

Korrespondent

Georg Mascolo, NDR | Bildquelle: picture alliance / dpa Logo NDR/WDR

Georg Mascolo, NDR/WDR

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