Der zerstörte Lkw, mit dem der Attentäter in den Berliner Weihnachtsmarkt fuhr | Bildquelle: dpa

Weihnachtsmarkt-Attentat Innenminister verteidigt Abschiebung

Stand: 28.02.2019 14:03 Uhr

Die Gerüchteküche um den angeblichen Helfer des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Amri brodelt. Nun trat der Innenminister vor die Presse - und verteidigte die Abschiebung des Tunesiers Amar.

Medienberichte hatten in der vergangenen Woche den Verdacht aufgeworfen, der Attentäter vom Breitscheidplatz habe einen Terrorhelfer vor Ort gehabt. Die Spekulationen wurden zusätzlich dadurch angeheizt, dass der Tunesier Bilal Ben Ammar am 1. Februar 2017 nach Tunesien abgeschoben wurde - nur rund einen Monat nach dem Attentat.

Heute nun äußerte sich Innenminister Horst Seehofer erstmals zu den Mutmaßungen. Dabei konnte er nur wenig Konkretes nennen. Er wisse nicht, wo sich der nach Tunesien abgeschobene Islamist Ben Ammar aufhält. "Mir ist momentan der Aufenthalt nicht bekannt", sagte der CSU-Politiker. 

Der Lkw und eine Gruppe von Polizisten am Tag nach dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz. | Bildquelle: dpa
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Die Opposition fordert Aufklärung von der Regierung zu den Umständen des Attentats vom Breitscheidplatz.

Abendessen am Vorabend des Anschlags

Ben Ammar war ein Freund des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri. Am Abend vor Amris Anschlag aßen beide gemeinsam in einem Lokal. Die Bundesregierung werde versuchen herauszufinden, wo sich Ben Ammar derzeit aufhält, fügte Seehofer hinzu. Innenstaatssekretär Hans-Georg Engelke sagte, er gehe davon aus, dass Ben Ammar in Tunesien sei und dem Untersuchungsausschuss als Zeuge zur Verfügung stehen werde.

Seehofer verteidigte die schnelle Abschiebung: Nach Einschätzung der Regierung hätte Ben Ammar nichts zur Aufklärung der Tat beitragen können. Der Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Anschlag auf dem Breitscheidplatz will ihn als Zeugen vernehmen.

Zweifel am Bericht des "Focus"

In der vergangenen Woche hatte der "Focus" berichtet, dass Amri bei dem Anschlag in Berlin von seinem Vertrauten Ben Ammar unterstützt worden sein könnte. Unklar ist bisher, ob sich Ben Ammar zur Tatzeit auf dem Platz aufhielt. Auch ist offen, ob er oder jemand anderes Amri womöglich dabei geholfen hat, zu entkommen. Sicherheitsexperten hatten aber starke Zweifel an dem Bericht geäußert.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gekapert, mit dem er auf den Weihnachtsmarkt auf den Breitscheidplatz raste. Er tötete zwölf Menschen, mehr als 70 Menschen wurden verletzt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Februar 2019 um 15:00 Uhr.

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