Vom BKA veröffentlichte Fahndungsfotos des tunesischen Verdächtigen Anis Amri. | Bildquelle: dpa

Neuer Bericht über Amri Intensiver überwacht als bislang bekannt?

Stand: 17.12.2017 10:08 Uhr

Bombenbau-Anleitungen aufs überwachte Handy heruntergeladen, eine Sachbearbeiterin nur für seinen Fall - laut einem Medienbericht wurde Anis Amri früher und intensiver beobachtet als bislang bekannt. Das belegten Tausende Dokumente.

Polizei und Geheimdienste haben den Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri laut einem Medienbericht viel früher und intensiver überwacht als bislang bekannt. Dies gehe aus Tausenden Akten, Dutzenden V-Mann-Berichten und den Protokollen von Telefon- und Internetüberwachungen hervor, die ihr vorlägen, berichtet die "Welt am Sonntag".

Wie schon bekannt war, wurde Amri seit Ende 2015 durch einen V-Mann der Polizei überwacht, der sich "Murat" nannte und als "VP01" in den Akten auftaucht. Dies war Teil der verdeckten Ermittlungen gegen die mutmaßliche IS-Terrorzelle des als "Abu Walaa" bekannten Hildesheimer Hassprediger.

Bereits am 14. Dezember 2015 lud Amri laut "WamS" mit seinem rund um die Uhr überwachten Smartphone detaillierte Anleitungen zum Mischen von Sprengstoff sowie zum Bau von Bomben und Handgranaten herunter. Und spätestens vom 2. Februar 2016 an telefonierte Amri demnach auf diesem abgehörten Handy mit zwei IS-Kadern in Libyen und bot sich als Selbstmordattentäter für einen Anschlag in Deutschland an.

Berlin Breitscheidplatz | Bildquelle: dpa
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Bei dem Anschlag mit einem entführten Lastwagen tötete Amri am Abend des 19. Dezember 2016 zwölf Menschen, etwa 70 Menschen wurden verletzt.

Sachbearbeiterin nur für den Fall Amri?

Das Blatt berichtet außerdem über Behörden-Mails und -Akten, die eine starke Befassung deutscher Nachrichtendienste belegen. So habe der Verfassungsschutz bereits im Januar 2016 eine zweiseitige Analyse zu Amri verfasst, die Behördenchef Hans-Georg Maaßen unterschrieben habe. Sein Bundesamt setzte laut "WamS" für den Fall Amri sogar eine eigene Sachbearbeiterin ein.

Die Recherchen belegen laut der Zeitung zudem, dass Amri schon vor seiner Ankunft in Italien im April 2011 über enge persönliche und sogar familiäre Verbindungen zu Kämpfern und Führungskadern der Terrormiliz "Islamischer Staat" in Libyen verfügte.

Der Grund, warum Amri trotz all dieser Erkenntnisse nicht vor dem Anschlag verhaftet wurde, geht laut "WamS" aus den ihr vorliegenden Akten nicht hervor. Allerdings legten die mehrmonatigen Recherchen eine Verwicklung auch internationaler Geheimdienste nahe. Diese dürften in Amri einen "Lockvogel" gesehen haben, der sie zu seinen Hintermännern, den Anschlagsplanern in Libyen, führen sollte.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Dezember 2017 um 09:00 Uhr.

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