Karl Lauterbach, SPD | picture alliance/dpa/ZDF

Reaktionen zu Lauterbach "Die Talkshow-Szene wird auf ihn verzichten müssen"

Stand: 06.12.2021 13:46 Uhr

Für Karl Lauterbach als neuen Gesundheitsminister gibt es parteiübergreifend Lob. CDU-Generalsekretär Ziemiak zollte dem gesamten SPD-Team seinen Respekt. Kritik gibt es an der designierten Verteidigungsministerin.

Die Pläne für das neue Bundeskabinett stehen fest: Als letzte der drei Ampel-Parteien nominierte die SPD die von ihr gestellten Ministerinnen und Minister, darunter Karl Lauterbach für die Leitung des Gesundheitsministeriums. Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz hatte die Personalie in Berlin bekanntgegeben.

Scholz sagte, die meisten Bürgerinnen und Bürger hätten sich gewünscht, dass der nächste Gesundheitsminister vom Fach sei, dass er es wirklich gut könne. "Und dass er Karl Lauterbach heißt", sagte Scholz: "Er wird es!"

Gratulation von CDU und Grünen

Die Ernennung Lauterbachs zum neuen Bundesgesundheitsminister bekam parteiübergreifend zunächst viel Lob und Zustimmung. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gratulierte seinem designierten Nachfolger. "Lieber Karl Lauterbach, herzlichen Glückwunsch zu dieser wichtigen und schwierigen, doch auch sehr schönen Aufgabe", schrieb der CDU-Politiker auf Twitter. "Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg und eine glückliche Hand. Denn es geht um unser Land. Die Bewältigung dieser Pandemie bleibt eine Gemeinschaftsaufgabe."

Lob für die Personalentscheidung kam auch von Norbert Röttgen. Der CDU-Politiker wünschte auf Twitter viel Erfolg. "Karl Lauterbach hat sich aus seiner Persönlichkeit, seinem Intellekt und Engagement heraus ein unglaubliches Vertrauen in der Gesellschaft erarbeitet", schrieb Röttgen. "Ich freue mich für ihn, dass das belohnt wird."

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen twitterte zur Lauterbach-Entscheidung: "Seine Expertise und wissenschaftliche Herangehensweise wird ein riesiger Mehrwert für die exekutive Pandemiebekämpfung sein. Ich schätze insbesondere seine Kollegialität & seinen Einsatz für Menschen ohne große Lobby im Gesundheitswesen."

Ziemiak wünscht "einfach alles Gute"

Auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak begrüßte die geplante Ernennung des SPD-Politikers zum Bundesgesundheitsminister. "Ich halte das für eine gute Wahl", sagte Ziemiak nach den Sitzungen der CDU-Parteigremien in Berlin. Als ausgewiesener Gesundheitsexperte werde sich Lauterbach "nicht groß einarbeiten müssen in das Themenfeld".

CDU-Generalsekretär Ziemiak zollte der Riege der vorgestellten Ministerinnen und Minister der SPD insgesamt seinen Respekt. "Das sind alles gestandene Persönlichkeiten", sagte er. Von der CDU gebe es zwar "wenig Vorschusslorbeeren - aber es gibt auch wenig Grund für voreilige Kritik". Er wünsche der neuen Regierung "einfach alles Gute".

Kubicki gratuliert, Weidel kritisiert

Auch der stellvertretende Parteivorsitzende der FDP, Wolfgang Kubicki, in der Corona-Pandemie durchaus ein Kritiker Lauterbachs, habe sich bereits beim designierten Gesundheitsminister gemeldet. "Ich habe Karl Lauterbach schon gratuliert", sagte Kubicki der "Bild". "Die deutsche Talkshow-Szene wird jetzt häufiger auf ihn verzichten müssen. So hat alles auch sein Gutes."

Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel kritisierte die Personalentscheidung. "Während ihm die SPD noch in der letzten Legislatur keinerlei Kompetenz in Gesundheitsfragen zutraute und er deshalb keinerlei Funktionen bekleidete, wird Karl Lauterbach nun tatsächlich Gesundheitsminister", schrieb Weidel bei Twitter. "Schlimmer hätte es für Deutschland nicht kommen können."

Lob und Anerkennung von Ärztinnen und Ärzten

Die Ärtzeschaft hat die Nominierung von Lauterbach für die Leitung des Gesundheitsressorts in der neuen Bundesregierung begrüßt. "Die Berufung von Karl Lauterbach zum neuen Gesundheitsminister ist die richtige Antwort auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie", erklärte der Vorsitzende des Virchowbundes der niedergelassenen Ärzte, Dirk Heinrich. "Die Wissenschaft ist der natürliche Feind des Populismus, deshalb werden wir die Pandemie nur faktenbasiert und mit entschlossenem Handeln besiegen", so Heinrich.

"Es freut mich, dass ein Arzt Gesundheitsminister wird", so die Vorsitzende des Ärzteverbands Marburger Bund, Susanne Johna. Lauterbach sei ein "ausgewiesener Fachmann und hat nicht erst seit der Pandemie bewiesen, dass er über hohe Sachkenntnis verfügt", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung". 

"Mit Herrn Lauterbach steht künftig ein versierter Kenner des komplexen Gesundheitswesens an der Spitze des Ministeriums. Wir bieten unsere Mitarbeit, Vorschläge und Expertise an", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztliche Bundesvereinigung, Andreas Gassen.

Eine Frau an der Spitze des Innenministeriums

Der wahrscheinlich künftige Bundeskanzler Scholz benannte vier Bundesministerinnen und drei Bundesminister aus der SPD für sein Kabinett. Mit der hessischen SPD-Fraktionsvorsitzenden Nancy Faeser wird erstmals eine Frau Bundesinnenministerin. "Sicherheit wird in dieser Regierung in den Händen starker Frauen liegen", sagte Scholz mit Blick auf Faeser und Christine Lambrecht, die das Verteidigungsressort übernehmen soll.

Hessens Ministerpräsident und CDU-Chef Volker Bouffier gratulierte Faeser zu ihrer Nominierung als Bundesinnenministerin. Die 51-Jährige übernehme mit dem Amt "eine herausfordernde Aufgabe", erklärte Bouffier. "Für deren Bewältigung" wünsche er Faeser "eine glückliche Hand und alles Gute".

Kritik gab es indes an der Wahl von Lambrecht als neue Verteidigungsministerin. "Frau Lambrecht ist fachfremd, ist dem eher bundeswehrkritischen linken Lager der hessischen SPD zuzurechnen und hatte damit kokettiert, kein neues Amt in der Bundesregierung anzustreben", sagte CDU/CSU-Fraktionsvize Johann Wadephul. "Diese Personalie kann als weiteres Zeichen interpretiert werden, dass der SPD die Verteidigungspolitik und die Bundeswehr ziemlich egal sind."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau und tagesschau24 am 06. Dezember 2021 um 14:00 Uhr.